
Wenn einer eine Reise tut… dann nimmt er ein Buch mit. So geschehen auf meiner kleinen Reise um die große Welt. Ich empfehle „Lokalhelden“ von Jörg Harlan Rohleder. Schmalls tragisch-komische Geschichten über die Jugend in den Neunzigern in Echterdingen bei Stuttgart hat mich auf einigen Busfahrten durch die feuerländische Peripherie begleitet. Ich habe es in vollen Zügen genossen, aber als ich das Buch fertig gelesen hatte und am südlichsten Ende der Welt angekommen war, war ich ernsthaft traurig, dass es schon vorbei war – sowohl das Buch als auch die Welt.
Da kam mir eine Idee: warum nicht schwäbische Geschichten auf Reisen schicken? Ich hatte das Bedürfnis, die Menschen auf der ganzen Welt mit Schmalls unterhaltsamen und nachdenklichen Geschichten übers Skaten, Kiffen, Saufen an der Tankstelle und der damit einhergehenden Zukunftsangst zu erfreuen. Gefesselt von diesem Gedanken, habe ich kurzerhand das Werk präpariert und in einem Hostel in Ushuaia zwischen Stieg Larsson, Lonely Planet und anderer – bestimmt ganz großer, ausländischer – Weltliteratur in das Bücherregal geschmuggelt.
Ich habe den nächsten Leser freundlich dazu aufgefordert, mir doch zu schreiben. Wer er ist, wo er hingeht und vor allem wohin er das Buch bringt, um nachverfolgen zu können, welche Reiseroute das Buch zurücklegt. Monate sind vergangen und ich hatte mein kleines „Ich-mache-Schmalls-Buch-zu-großer-Reiseliteratur-Projekt“ schon fast vergessen, da bekam ich plötzlich eine Mail:
Hallo aus Puerto Varas (Chile),
so dann weisst du schon mal, wo dein Buch bis zur naechsten Mitnahme gelandet ist (Lokalhelden). Ist jetzt zwar nicht so Ewigkeiten von Ushuaia entfernt, aber immerhin.
Ich heisse Thomas und bin mit meiner Freundin ca. ein Jahr unterwegs. Wir bleiben auch hier auf dem Kontinent, zu entdecken gibt es jedenfalls genug. Wir sind beide Sozialarbeiter, wohnen in Koeln und haben uns ein Jahr Auszeit genommen. Das Buch haben wir Anfang April mitgenommen, es war schon mit 10 (!!!!) Hostel-Stempeln versehen worden.
Von Ushuaia sind wir nach Puerto Natales (Chile) gefahren, waren (mit dem Buch) zwei Tage im Nationalpark „Torres de Paine“, danach hat es uns auf einer wunderbaren Fahrt mit der Navimag-Faehre durch die chilenischen Fjoerde begleitet, anschliessend haben wir es dann noch mit auf die Insel Chiloe genommen, auch weil wir (bis jetzt) irgendwie nicht den richtigen Platz gefunden hatten, um es weiterzugeben. Hier im Casa Azul ist es jedoch bestimmt gut aufgehoben, ein freundliches, warmes Hostel mit ganz vielen Holzmoebeln, einem wunderschoenen japanischen Garten und „Butcher“ einem riesigen, freundlichen (aber leider auch staendig sabbernden) Hund.
Thomas und Uli
Ich bin begeistert! Es funktioniert! Und ich bin mir sicher, dass es noch weiterreist – mit oder ohne unserem Wissen. Ich halte Euch jedenfalls auf dem Laufenden.