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Wie alle Subkulturen haben Heavy-Metal-Fans ihre eigene Sprache. Beispielsweise gibt es im Metaller-Denglisch das schöne Wort „Poser“. Zwar übersetzt das Google aus nicht nachvollziehbaren Gründen mit „harte Nuss“. Gemeint sind in Metal-Kreisen aber Leute, die T-Shirts von Bands tragen, deren Musik sie gar nicht hören.
Dann ist da noch das Adjektiv „untrue“. Das bezeichnet das Fehlen überlebenswichtiger Assecoires wie Nieten, Patronengürtel und langer Haare.
Nun haben Metaller nicht nur ihre eigene Sprache, sondern auch ihre eigene Logik. Wer besonders untrue ist oder ein besonders großer Poser, zeigt damit, dass er einfach auf alle Szene-Konventionen, nun ja: scheißt. Und damit wird er wieder so cool, dass er „true“ ist – also eine Aura der Credibility mit sich herum trägt.
Niemand wird widersprechen, dass Roberto Blanco das Gegenteil eines typischen Metal-Musikers ist. Damit ist er ziemlich true. Und aus diesem Grund holte ihn die Thrash-Metal-Legende Sodom aus Gelsenkirchen am Sonntagabend während des Abschlusskonzerts ihrer Tour als „Überraschungsgast“ auf die Bühne der Ludwigsburger Rockfabrik.
Sodom-Sänger Tom „Angelripper“ Such narrte die Fans mit der ihm eigenen Subtilität („Ich gehe kurz pinkeln…“), um Roberto kurz darauf hinter der Bühne hervor zu zerren, in Richtung Publikum zu drehen und den „Ein bisschen Spaß muss sein“-Knopf zu drücken.
Sekunden später bebte die Rockfabrik auf eine Art und Weise, wie es Sodom mit ihren Riffs und den eher sozialkritisch-nachdenklichen Songs bis dato noch nicht geschafft hatten (Textbeispiel: „Der Wachturm ist die Offenbarung für all die Gotteskinder; los packt ihn weg, es hat keinen Zweck, meine Pornos sind mir lieber!“)
Die Welt war „voll’ Sonnenschein“, der Doublebass ratterte, die Riffs des Sodom-Gitarristen Bernemann zischten, der harte Schweiß Langhaariger hing in der Luft – Roberto konnte nicht anders. Er reckte die Hand erhoben zur „Pommesgabel“ – Zeige- und kleiner Finger gespreizt – in Richtung Publikum und ließ seine rote Kutte, pardon, sein Jacket, wieder und wieder über seinem Kopf kreisen.
Hunderte grölten mit. Zum Thema „true“ sei noch gesagt, dass Roberto Blanco aufgrund der Kombination seines dunklen Teints und seines schneeweißen Zahnarzt-Grinsens noch nicht einmal Corpsepaint benötigen würde, sollten ihn demnächst Dimmu Borgir als Stargast auf die Bühne holen. Er könnte dann nach „Mourning Palace“ seinen 77’er Hit „Morgen sind wir reich“ neu interpretieren.
Metaller sind eben auch nur Menschen auf der Suche nach etwas Spaß, auch wenn sie nach Wacken fahren, statt nach Mallorca zu fliegen.