
Wer Sport treibt, lebt gefährlich. Das hat Tobis Hitchcock-Episode eindrucksvoll bewiesen. Hätte es also eigentlich wissen müssen, als ich am Freitag die Freibad-Saison in Möhringen eröffnen wollte.
Ich gehe gerne ins dortige Freibad, weil ich da unter Garantie niemanden kenne. Im Killesberger Freiluft-Tempel kann man schon mal einen entfernten Bekannten treffen. Und das will ich ganz bestimmt nicht, wenn ich meine Plautze spazieren führe. Im hintersten Winkel Möhringens droht hier absolut keine Gefahr. Es gibt astreine Tischtennis-Platten, Schüler und Rentner halten sich angenehm die Waage.
Meinem sommerlichen Fitness-Programm stand also nichts im Wege: Pommes Schranke, eiskaltes Radler und danach ein Schleckeis, das ganze gekonnt im Slalom bis zum eigenen Handtuch transportiert. Ich lag recht gut in der Zeit, die kichernden Pubertierenden hatte ich bereits passiert, am Babybecken hatten mich dieses Mal nur zwei Halbstarke nass gespritzt und die nervige Rentner-Gang, die sich gegenseitig über Metzger-Preise austauschte, hatte ich in Lance-Armstrong-Gedächtnis-Manier hinter mir gelassen.
Da passierte das Grausame. Während ich gierig bereits im Laufschritt die ersten Pommes kostete und mit isotonischem Radler nachspülte, wurde ich attackiert. Von einem Badeanzug in Tiger-Optik. Er hatte sich im Baum versteckt und nur auf diesen einen Moment gewartet. Das Biest war noch leicht klamm und patschte mir frech ins Gesicht.
Hab mich direkt beim Bademeister beschwert. Eine Warndurchsage wollte er aber dann doch nicht vornehmen. Vielleicht sollte ich mal die Lyriker von der Polizei-Pressestelle um Unterstützung bitten. Zum vogelwilden Tiger-Badeanzug hauen die locker 100 Zeilen aus der Hüfte.