
Foto: www.e-karnevalskleidung.de
Heut ist der schönste Tag des Jahres. Nein, nicht weil der Internationale Frauentag von gestern schon wieder Geschichte ist und man die Kollegin wieder ungestraft herbeleidigen kann. Nein, heute ist Aschermittwoch, mein persönlicher Feiertag. Alle Jecken haben heute ihren verdienten Kater, alle Hästräger mussten heute bei einem Heringsfrühstück Buße tun und das komplette Rheinland liegt unproduktiv danieder.
Als eingefleischter Faschings-Hasser kann man endlich wieder vor die Türe gehen, ohne wie gestern in der Stuttgarter Innenstadt viel zu oft überlegen zu müssen, ob das Gegenüber jetzt gerade verkleidet oder die Frisur tatsächlich Normalzustand ist. Als ich gestern noch schnell in der Marienstraße etwas einkaufen musste, dröhnte lustigster Faschings-Folk aus Sophies Braustüble. Die acht Promille pro Kopf konnte man bis an die Kreuzung zur Sophienstraße riechen.
Damit kein Missverständnis aufkommt: Gegen einen gepflegten Absturz habe ich rein gar nichts, mich stört nur dieser konditionierte „jetzt sind wir alle mal lustig und verkleiden uns einige Wochen lang“-Zwang. Ich hab’s da aber vielleicht auch leichter, da ich unter Gehirnfasching leide und das ganze Jahr über einen Zwang zum unverkleideten Kalauer pflegen muss.
Mit Fasching verbinde ich dagegen nur grausame Erinnerungen. Einmal musste ich mit einem Ex-Kollegen an Karneval zum Rheinischen Stammtisch. Das war die Höchststrafe. Ich bin ja wirklich kein Rassist – als Badener bin ich in Stuttgart ja selbst oft genug hässlichem Fremdenhass ausgesetzt. Rheinländer sind mir aber per se meist zu laut und lustig. Beim rheinischen Stammtisch in Stuttgart habe ich Bilder gesehen, die ich in meinem ganzen Leben nicht vergessen werde.
Richtig grausam sind auch die Termine, zu denen man als junger freier Mitarbeiter einer Tageszeitung in der närrischen Jahreszeit geschickt wird. Ich will einfach nicht mitschunkeln müssen und zu Büttenreden applaudieren – schon gar nicht, wenn ich im Dienst bin.
Das einzige witzige Erlebnis in Bezug auf eine Verkleidung hatte ich vor Jahren in den USA. Dort geriet ich nichts ahnend unter lauter Voll-Verkleidete, die alle tierisch genervt haben. Nur einer sah ein bisschen lustig aus. Der steckte in einem rosa Ganzkörper-Anzug aus Latex und hatte einen Stuhl auf seinem rosa Bauarbeiterhelm auf dem Kopf. Wir wollten wissen, was er denn so darstellen sollte: „I’m a bubblegum under a chair!“, lautete die vernünftige Antwort.
Mann, freu ich mich was, dass heute Aschermittwoch ist.