Mit ‘Traffic’ getaggte Artikel

20. April 2010

S-West, mi Corazón (2)

von Tobias Köhler

Warum wir den Stuttgarter Westen lieben?

Weil parken hier keine Alltagsbeschäftigung, sondern ebenso Leistungssport wie Leidenschaft ist.

Parken im Stuttgarter Westen, das lässt keinen kalt.

  • Wildfremde fallen einander in die Arme, wenn sie ihr Auto unverhofft am Straßenrand untergebracht haben.
  • Freunde fallen einander in den Rücken, wenn sie um die selben 3.15 Meter Parkraum konkurrieren.
  • Und wenn sich Eheleute nach 20 Jahren nichts mehr zu sagen haben, heizt die Debatte um den Stellplatz die Beziehung wieder an.

Und während die braven Münchener – etwa in Haidhausen – an ihrer Anständigkeit verzweifeln, weil sie ebenso wenige Parkplätze wie Mumm zum Falschparken haben, gilt in Stuttgart unter Gentlemen und -women eigentlich nur eine Regel: erlaubt ist alles, was dem anderen einigermaßen Platz zum Durchkommen lässt. In weiten Teilen hat sich die Polizei dem angeschlossen.

Hier ist uns übrigens ein schöner Schnappschuss einer sehenswerten Choreografie gelungen (siehe Fotos). An der Ecke Vogelsang-/Rückertstraße parken die Autos in sechster Reihe (okay, einer ist heimlich ausgeschert).

12. Februar 2010

Der Winter und ich (IV)

von Tobias Köhler

Habe das Telefon auf Lautsprecher gestellt. Eine Minute lang düdelt irgendeine Porno-Hintergrundmusik, dann sagt eine sehr nette Frau: “Im Moment haben wir sehr viele Kundenanfragen. Wir bitten Sie deshalb um etwas Geduld. Wir verbinden Sie mit dem nächsten freien Kundenberater.”

Leider nimmt noch immer niemand bei meiner Kfz-Versicherung ab. Da habe ich ja noch ein bisschen Zeit, weiter zu erzählen.

Nachdem ich einen neuen persönlichen Rekord im Warteschleifen drehen aufgestellt habe, und erst nach 1:26:30 Stunden ohne Antwort aufgelegt habe, ist soeben etwas schockierendes passiert:

Die Hotline-Nummer, mit der ich heute gut drei Stunden nutzlos Zeit verbracht habe, meldet plötzlich nur noch “Kein Anschluss unter dieser Nummer”. Und vom Handy aus “Diese Rufnummer ist uns leider nicht bekannt”.

Was hat das nun zu bedeuten?

Eines ist klar: Schuld ist der Winter. Die Sau.

12. Februar 2010

Der Winter und ich (II)

von Tobias Köhler

Habe das Telefon auf Lautsprecher gestellt. Eine Minute lang düdelt irgendeine Porno-Hintergrundmusik, dann sagt eine sehr nette Frau: “Im Moment haben wir sehr viele Kundenanfragen. Wir bitten Sie deshalb um etwas Geduld.Wir verbinden Sie mit dem nächsten freien Kundenberater.”

Leider nimmt noch immer niemand bei meiner Kfz-Versicherung ab. Da habe ich ja noch ein bisschen Zeit, weiter zu erzählen.

Nach der traumatisierenden Erfahrung von gestern Abend habe ich mein Auto heute Morgen zu Hause stehen lassen. Und mich entschlossen, zum ersten Mal seit gefühlten 40 Jahren öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen.

Natürlich musste mir erst einmal mein Zivi erklären, wie die Sache mit dem Fahrkartenautomaten funktioniert. Nach ein paarmal üben hat das aber ganz gut geklappt, so dass ich im fünften Versuch tatsächlich geschafft habe, ein Ticket ins Pressehaus zu lösen.

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12. Februar 2010

Der Winter und ich (I)

von Tobias Köhler

Habe das Telefon auf Lautsprecher gestellt. Eine Minute lang dudelt irgendeine Porno-Hintergrundmusik, dann sagt eine sehr nette Frau: “Im Moment haben wir sehr viele Kundenanfragen. Wir bitten Sie deshalb um etwas Geduld.Wir verbinden Sie mit dem nächsten freien Kundenberater.” Dann dudelt es wieder eine Minute lang.

Tja, was soll man sagen: Offenbar haben zahlreiche andere Trottel ebenso wie ich den Wintereinbruch genutzt, um einen kleinen Auffahrunfall zu verursachen. Kein Wunder, dass die Schadensaufnahme meiner Kfz-Versicherung kollabiert. Und wahrscheinlich die Mittagspause ausfallen lassen muss.

Dafür – und das ist auch was wert – habe ich gestern Abend einen unwahrscheinlich netten und gelassenen Manager eines örtlichen Konzerns kennengelernt. Indem ich mit meiner Smart-Plastikkugel hart an seiner nagelneuen E-Klasse entlanggeschrammt bin.

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10. Februar 2010

Kippt Stuttgart 21?

von Tobias Köhler

Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) schickt heute eine erschütternde Meldung über die Ticker:

“Bahnchef friert im Berliner Hauptbahnhof  (Mit Bild) = Berlin (dpa) – Bahnchef Rüdiger Grube (58) friert derzeit wie viele seiner Fahrgäste im Berliner Hauptbahnhof. „Ich laufe ja gern. Neulich bin ich morgens mit dem Trainingsanzug in den Hauptbahnhof reingelaufen, da war es arschkalt“, sagte Grube am Mittwoch bei einer Veranstaltung der Industrie- und Handelskammer in Berlin. Einen beheizten Wartesaal für Fahrgäste gibt es in der 2006 eröffneten Station nicht, aber eine Lounge für Vielfahrer und für Reisende der 1. Klasse, außerdem zahlreiche Restaurant-Zonen und Geschäfte auf mehreren Ebenen. Grube versprach, das Thema an seinen zuständigen Kollegen weiterzuleiten. ”

Wir fragen uns:

  • Was bedeutet das für Stuttgart 21? Droht das Projekt zu kippen?
  • Was bedeutet das für das Weltklima? Droht eine neue Eiszeit?
  • Was bedeutet das für den Arsch von Rüdiger Grube? Wird er abfallen?
  • Was bedeutet das für den zuständigen Kollegen? Und wer ist überhaupt zuständig?
  • Was bedeutet es, dass die Agentur ein Bild ankündigt, aber keines schickt? Wir mussten deshalb ein Archivfoto (auch dpa) raussuchen.
  • Und: Sind die Jungs bei dpa jetzt eigentlich vollends durchgeknallt, so seinen Scheiß zu vermelden?

Nichts als Fragen…

09. Februar 2010

Nach Sendeschluss

von Tobias Köhler

Eine kleine Information der Deutschen Bahn AG: “Du hast Spaß daran, während deiner Arbeit mobil zu sein, Freude am Umgang mit Technik und kannst Verantwortung übernehmen? Beim Beruf des Lokführers/der Lokführerin arbeitest du mit der neuesten Telekommuníkationeinrichtung.

Als Eisenbahner/ Eisenbahnerin im Betriebsdienst mit der Fachrichtung Lokführer/Lokführerin hat man dafür Sorge zu tragen, dass die Beförderung der Reisenden, bzw. der Transportgüter, reibungslos funktioniert. Die Prüfung der Betriebssicherheit des Zuges gehört genauso in den Aufgabenbereich eines Lokführers/einer Lokführerin, wie das Informieren der Kunden. In diesem Beruf hat man durch die Mobilität die Möglichkeit, auch über die Grenzen hinweg, viele Orte kennenzulernen.”

Um den Brezel.me-Leser die ganze Pracht und den Abwechslungsreichtum dieses Berufs nahe zu bringen, zeigen wir eine Fahrt mit der S-Bahn von Weilimdorf nach Ditzingen, wie der Lokführer/die Lokführerin sie erlebt.

Jetzt wissen wir auch, warum es den Toter-Mann-Knopf gibt. Sonst würde der Lokführer wohl die Fahrt entweder im Schlaf oder – im Fernverkehr – im Bordrestaurant verbringen.

Ist ja kein Wunder, dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen die “Schönsten Zugstrecken Europas” als Rausschmeißer benutzt.

09. Februar 2010

Und schon wieder Sex auf Rädern

von Erik Raidt

Erst passiert mir diese Geschichte mit dem verkuppelnden Taxifahrer und jetzt rollt schon wieder Schweinkram auf mich zu: Dämmerte gerade in einem sanften Dienstagmittag-Büroschlaf, als ich durch ein sanftes Ping des Rechners hochgeschreckt wurde. Wenn ich die folgende Mail richtig verstanden habe, soll ich wohl einen Urlaub auf Mallorca oder im hohen Norden buchen. Mal gucken.

Hier die Einladungsmail:

Hallo,

suchst Du auch ein aufregendes Date oder vielleicht etwas Abwechslung?

ich habe mich hier angemeldet: Geile Kontakte.

Da ist alles etwas freizügiger!! Man kann sich kostenlos anmelden. Vielleicht ist das ja auch was für Dich?
Einen Tick schärfer geht es aber auch!

Was für ein Freund, der so eine geile Braut auf Mallorca am Strand alleine lässt. Pete weiß aber, wie man so eine klasse Braut abschleppt und mit einer netten Kutschfahrt und ein paar Sprüchen ist die Kleine sofort auf Linie und wird richtig scharf. In den Dünen von Malle geht es dann richtig rund…

Schön langsam anfangen und sich nebenbei selber noch scharf machen. Ein guter Start für die geile Action die danach noch ansteht. So viel sei mal verraten, Bianca ist nicht schnell auf Touren aber lange und wenn es hier eine mal so richtig gebraucht hat, dann die Bikerbraut aus dem hohen Norden.

Du erhältst diesen Newsletter, weil Du einfach großartig bist.

09. Februar 2010

Ja, ihr seid mit’m Radl da

von Tobias Köhler

Seit langer Zeit hole habe ich mein Fahrrad genau einmal pro Jahr aus dem Keller – um es im Frühling zu “Stadtrad” im Westen zu bringen, die dem Ding einen Rundum-Sorglos-Service angedeihen lassen. Anschließend stelle ich es zurück in den Keller und lebe fortan in dem guten Gefühl, jederzeit losradeln zu können. Was ich natürlich niemals tue.

Nun ist Stuttgart auch nicht gerade eine fahrradfreundliche Stadt, tendenziell ist so eine Kesseldurchquerung auf dem Bike lebensgefährlich.

Ist mir erst heute wieder am Berliner Platz aufgefallen. Da hängt ein – zumindest für ungeübte Radler – sehr verwirrendes Schild mit viiiieeeelen Pfeilen.

Sieht für mich verdammt unfallträchtig aus, das Konzept.

Mir kann’s egal sein. Ich sitze ja im gut beheizten Auto.

08. Februar 2010

Roll over

von Erik Raidt

Neulich bin ich im Taxi zum Flughafen gesessen. Glaubte ich zumindest. Dann entpuppte sich der Mann aber während der Fahrt als rollender Supermarkt. Er bunkerte in seinem Kofferraum alles, was man für eine schmutzige Nacht brauche, verriet er.

Als da wären: Weinflaschen (“damit können Sie ihre Geliebte in Stimmung bringen”) , Pralinen (“falls Sie eine anspruchsvolle Frau treffen”), Kondome ( ) und kleine Blumensträuße (“wenn Sie am nächsten Tag dann ein schlechtes Gewissen haben und zu Ihrer Frau zurückkehren”).

Jetzt habe ich in der Stadt gesehen, dass der Mann vom Bierblitz Konkurrenz bekommen hat. Stuttgart wird zur rollenden Tankstelle.

Dieser Ghandi-Taxista jedenfalls war wirklich ganz groß. Warum da dieses Kissen auf seiner Rückbank lag, das wollte ich ihn aber lieber doch nicht fragen.

04. Februar 2010

Brezel.me im Streik

von Tobias Köhler

Nur eine ganz kurze Meldung aus dem Streiklokal (i.e. Oblomow): Um auf die menschenunwürdigen Bedinungen in der Brezel.me-Redaktion hinzuweisen, haben wir heute einen unbefristeten Ausstand initiiert. Weil das die wenigsten bemerkt hätten – das wissen wir ja, größenwahnsinnig sind wir nicht – haben sich viele Menschen in Stuttgart spontan solidarisch erklärt.

Erste Bilanz: Die Busse und Bahnen stehen still (Foto dpa), viele Kitas bleiben geschlossen, der Müll liegt noch länger herum als sonst und sämtliche Operationen – auch die am offenen Herzen – im städtischen Klinikum wurden heute pünktlich um 0 Uhr abgebrochen.

Vielen Dank an alle Menschen, die uns auf diese Weise helfen.

So ist es uns gelungen, gewaltiges Aufsehen zu erregen. Ja, wir sind sogar in den Fernsehnachrichten gelandet. Leider spielt sich eine älterer Herr mit Schnurrbart und rot-weißen, müllsackartigem Verdi-Pullunder immer in den Vordergrund und verdrängt uns von den Fernsehkameras. Deshalb ist es schwierig, den Medien das eigentliche Anliegen unseres Streiks zu vermitteln.

Nächste Woche werden aber auch die Tankstellen im ganzen Land aus Solidarität mit Brezel.me die Zapfsäulen dichtmachen. Dann kann der Kerl mit dem Schnautzer auch nicht mehr aus dem Verdi-Hauptquartier anreisen und uns die Show stehlen.

Mit proletarischen Grüßen, die Redaktion.

01. Februar 2010

Im Rausch der Bilder: “Stuttgart 24 h”

von Tobias Köhler

24 Stunden Stuttgart in zehn Minuten – so hat man die Stadt noch nicht gesehen. Okay, es ist erst Februar: Aber die Chancen, dass “Stuttgart 24 h” das coolste Stuggi-Video des Jahres wird, stehen ziemlich gut.

100.000 Fotos haben Christoph Kalck (21) und Jascha Vick (25) von der Hochschule der Medien an 20 unterschiedlichen Locations in der Stadt geschossen. Alle zwei Sekunden eines. Durch die Aneinanderreihung der Bilder beginnen sich die Szenen im Film zu bewegen.

Und werfen einen Blick auf die Stadt, wie man ihn sonst nicht bekommt. Das Gewusel der Nachtschwärmer am Hans-im-Glück-Brunnen. Abtanzen im LKA, bis das Licht angeht. Autokolonnen, die sich ihren Weg durch die City bahnen. Ziemlich abgefahren.

Der Soundtrack stammt von dem Stuttgarter Musiker und Komponisten Sebastian Bartmann. Am besten kommt das Video übrigens, wenn ihr es euch in HD im Vollbildmodus anschaut – unter dieser Adresse…

28. Januar 2010

Hofbräu kratzt nicht ab

von Erik Raidt

Was waren das noch für Zeiten in der Bierschwemme um die Ecke: Der Wirt fragte: “Halbe?” Und kaum hatte man genickt, stand der Humpen schon auf dem Tisch. Es gab noch kein Bananenweizen, kein Becks-Lemon, kein Grapefruit-Pils und andere Strafen.

Weil aber all dieses Gepansche inzwischen unser Reinheitsgebot verwässert, leiden nicht nur wir, sondern auch unsere Hopfenmagier von der lokalen Brauindustrie.

Deswegen gibt es von unserer Lieblingsbraubude jetzt superschickes Marketinggedöns. Im Bild: das Handpräservativ mit der Maulwurf-Grabowski-Kralle. Im Brezel.me-Selbsttest ergab das Ding maximale Schweißhände bei minimaler Wirksamkeit.

Unser Gesamturteil: Hofbräu kratzt nicht ab!

23. Januar 2010

Das andere Stuttgart (II)

von Tobias Köhler

Auch in diesem Fall halten wir uns völlig raus aus der Frage, ob Stuttgart, BW, einen Kopf-, Tief-, Durchgangs- oder überhaupt einen Bahnhof braucht. Ganz klar ist aber: unsere Mitmenschen in Stuttgart, Arkansas, könnten einen tiefergelegten Bahnhof samt tiefergelegten Bahngleisen ganz gut brauchen. Also so eine Art Stuttgart, Arkansas, 21.

So wie die Leute dort Auto bzw. Zug fahren…

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22. Januar 2010

Essen auf Rädern

von Tobias Köhler

Gestern ist auf der B10 ein Laster mit Tiefkühlpizzen (Bild unten, Achim Zweygarth) gekentert, heute Morgen flogen nur ein paar Kilometer entfernt den Auto- und Stadtbahnfahrern ein paar hundert Getränkekisten (Bild oben, Agentur factum) um die Ohren. Wenn das so weitergeht, können sich die Berufspendler das Einkaufen demnächst sparen.

15. Januar 2010

Bungeespringen für Bürohengste

von Tobias Köhler

Acht von zehn Autos fahren hier als Geisterfahrer über die neue Linksabbiegerspur, der Kollege Achim Zweygarth hat beim Fotografieren mitgezählt.

Falsch: Acht von zehn Autos fahren hier als Geisterfahrer über die neue Linksabbiegerspur, der Kollege Achim Zweygarth hat beim Fotografieren mitgezählt (Btw: Danke für das Foto, Achim!).

Manche Leute holen sich ihren Nervenkitzel beim Bungee-Springen, andere klettern ohne Atemschutzmaske auf einen Achttausender  – ich setze mich ins Auto, wenn ich einen Adrenalinstoß brauche. Im Stuttgarter Westen hat die Stadt nämlich eine neue Abenteuerlandschaft eingerichtet, Benutzung kostenlos (zzgl. Fahrtkosten): die Kreuzung an der Schwab-/Ludwigstraße.

Wer bisher von der Hauptstraße nach links abbiegen wollte, blieb einfach blinkend auf dem Fahrstreifen stehen, bis der Gegenverkehr weg war. Das blockierte natürlich alle anderen, die weiterfahren wollten. Deshalb gibt es jetzt – ganz neu – in beide Richtungen Linksabbiegerspuren. Eigentlich eine gute Idee. Nur: Die wurden einfach auf die bisherige Gegenfahrbahn gemalt.

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