Krasse Wende beim Brezel-Blog: Berichten jetzt nicht mehr aus Stuttgart sondern live aus Konschtanz (Foto: dpa). Da passiert nämlich fast mehr als im Kessel, musste ich gestern Abend mal wieder feststellen. Zumindest muss man eingestehen, dass der Bodensee-Tatort derzeit in den Punkten Spannung und Themen einen kleinen Vorsprung gegenüber dem Stuttgarter hat.
Neulich erst (gefühlt vor zwei Sonntagen, diese Tatort-Verteilung ist manchmal schwer zu verstehen) hat Klara Blum einen Serienmörder gejagt, der seine Opfer fast so skurril erledigte wie einst zu besten Twin-Peaks-Zeiten der finale Gegenspieler von Agent Cooper. Fire walk with me, gelöscht mit feinstem Bodensee-Wasser.
Gestern mehr so Psychologie. Obwohl die Sachlage dieses Mal von Anfang an klar war – strenge Richterin, spezialisiert auf Sexualdelikte, tötet beim Joggen in Notwehr einen vermeintlichen Vergewaltiger – mussten sich Superwumme Klara Blum und der nicht so ganz uncoole Perlmann durch ein Dickicht aus Falschaussagen und bizarren Sexspielchen schlagen, in einer weiteren Hauptrolle das gute alte Internet.
Da macht schon mal ein schicker Kreispolitiker im gut sitzenden Anzug und schnittigen A6 auf einer SM-Plattform einen Termin zu sogenannten Rape-Treffen aus, einer gespielten Vergewaltigung. Das Thema Homosexualität hat man auch gerade noch so irgendwie eingebaut, nicht zu vergessen das Grundthema: Wie stellt man nach einem falschen Gerichtsurteil wieder seine Reputation her? Als Hausmeister an der Uni z.B..
Zugegeben, viel Content auf einmal, manches auch etwas haarsträubend, aber im Faktor haarsträubend hat ja Frau Burda letzte Woche noch mehr den Vogel abgeschossen. Zudem hat der Regisseur des gestrigen Bodensee-Tatorts wohl ganz gerne die großartige Serie “Lie To Mie” auf Vox angeschaut, in der der unfassbar gute Hauptdarsteller Tim Roth stoisch anhand der Mimik Lügen aufdeckt. Versucht man jetzt auch in Konstanz. Klappt bedingt.
Das insbesondere stark ausgearbeitete Duell zwischen Blum und der Richterin kam gut an: Laut Spiegel Quote von 9,64 Millionen Zuschauer. Das ist nen Wort.
Wer die geile Show nicht gesehen hat, kann das in der ARD Mediathek nachholen.














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