Mit ‘Stuttgart 21’ getaggte Artikel

15. Dezember 2010

BrezeLeaks: Die Fernsehturm-Akten

von Dora Asemwald

Der BrezeLeaks-Briefkasten füllt sich, darunter eine sehr verschwörerische Geschichte, die ich hier mal leaken will. Dazu muss ich erst mal ausholen:

1967 trafen sich ertmals eine Gruppe von einflussreichen Personen aus Politik, Wirtschaft, Medien und andere Wichtigtuer im Stuttgarter Fernsehturm um über die weitere Entwicklung der prosperierenden Autostadt zu diskutieren. Sie nannten sich die Fernsehturm-Gruppe und tagten seit dem einmal jährlich. Diese Fernsehturm-Konferenzen waren nie eine offizielle Veranstaltung, die Presse schwieg darüber und keins der dort jährlich verabschiedeten Protokolle ist je an die Öffentlichkeit gekommen. Die sorgfältig ausgewählten Gäste, stets hochrangige Vertreter mächtiger Institutionen, planten seither dort die Entwicklung unserer Stadt schon lange bevor sie in der Öffentlichkeit diskutiert wurde.

Die Fernsehturm-Gruppe hatte Zugang zu einem bislang nicht öffentlich bekannten Großbunker aus den letzten Tagen des zweiten Weltkrieges, der sich weit unterhalb des Rathauses befindet. 1972 richteten sie dort ein Forschungslabor ein, welches den Institutionen und Unternehmen der Gruppe ermöglichte, jenseits neugiereiger Blicke der Öffentlichkeit und staatlicher Kontrollen zu forschen. Hier konnten sie problemlos Methoden anwenden, die ethisch fragwürdig waren oder Technologien einsetzen, die noch unter Verschluss gehalten werden mussten. Das sogenannte Institut für Zukunftsfragen prosperierte und wurde zum Mekka schwäbischen Tüftlertums im Grenzbereich.

Der Bau der S-Bahn unter Stuttgart in den Siebzigern machte es einfach, den Bunker unauffällig auszubauen. Doch als die S-Bahn fertig gestellt war, musste auch der weiter Ausbau der Bunkeranlage gestoppt werden. Die drohte jedoch im Verlauf der nächsten Jahre an ihre Grenzen zu stoßen. Bei der 20. Konferenz am 12. Juni 1986 wurde das Projekt „Stuttgart 20“ zum weiteren Ausbau des Labors  in die Wege geleitet.

Im Lauf des folgenden Jahres wurde jedoch klar, dass die geplanten Umbauarbeiten nicht unbemerkt geschehen konnten. Die Vibrationen der Baumaschinen und der entstehende Aushub wären nicht zu tarnen gewesen. Dies war das bestimmende Thema bei der 21. Konferenz. Eine Lösung wurde jedoch gefunden. Im Protokoll „Stuttgart 21“ wurde beschlossen, eine massive städtebauliche Maßnahme im Untergrund von Stuttgart als Tarnung des eigentlichen Ausbaus des Labors vorzunehmen: Der Bau unterirdischer Bahntunnels. Der Vertreter der Bahn in der Gruppe sollte nun ein solches Vorhaben forcieren. Da ein Projekt dieser Größenordnung und die einhergehenden Entscheidungsfindungen nicht ganz unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden konnte wurde in den nächsten Jahren viel diskutiert und geplant. 1994 wurde dann das Projekt „Stuttgart 21“ öffentlich vorgestellt.

Das der Projektname der Konferenz auch zum offiziellen Namen wurde liegt Gerüchten zufolge an einem Fehler, der der damaligen Sekretärin des Gruppenvorsitzenden unterlaufen ist. Ich konnte die Information leider nicht zurückverfolgen. Es scheint, als hätte die Dame nie existiert.

Interne Querelen um Auftragsvergaben und Finanzierungen haben das Projekt danach ausgebremst, sodass der Baubeginn erst im Februar 2010 stattfinden konnte. Der Ausbau des Instituts für Zukunftsfragen war längst überfällig. Um so ärgerlicher für die Gruppe, dass die Akzeptanz der Bevölkerung geringer ausfiel als geahnt. Wenngleich man rechtlich den Boden geebnet hatte drohen nun die politischen Verhältnisse zu entgleisen. Dieses Jahr wurden zum ersten mal in der Geschichte der Gruppe zwei Konferenzen ausgerichtet und ein permanenter Krisenstab einberufen, der das Bauvorhaben forcieren soll, bevor einzelne Politiker dem Druck ihrer Wähler oder der Bund dem Kostendruck nachgeben würden.

Leider haben weitere Recherchen zu dem Thema nicht viel ergeben. Meine Gesprächspartner waren eher schweigsam und ängstlich. Ich habe darauf verzichtet Namen zu nennen. Ich möchte auch nochmals darauf hinweißen, dass es sich bei diesem Artikel nicht um gesicherte Fakten handelt und davon abraten, auf eigene Faust weiter zu recherchieren da die Fernsehturm-Gruppe die Mittel hat, jeden zum Schweigen zu bringen. Ich weiß, dass ich hiermit mein Glück herausfordere. Ich habe mich jedoch so gut wie möglich abgesichert. Im Fall meines Verschwindens ist mein Notar dazu bevollmächtigt, einen ganzen Stapel Unterlagen herauszurücken die vielleicht rechtlich nicht relevant aber für manche verdammt peinlich sind.

Ich hoffe, dass andere Mitglieder dieser ominösen Fernsehturm-Gruppe den Mut haben, weitere Protokolle und Informationen an uns weiter zu leiten. Wir halten euch auf dem Laufenden.

06. Dezember 2010

Protestdevotionalie

von Dora Asemwald

Dieses Wochenende war ich mal wieder auf der Sudoku oder so ähnlich, der Messe für Design, Firlefanz und nette Sachen im alten Theaterhaus in Wangen. Ich geb zu, jetzt ist etwas spät um drüber zu schreiben, ist ja schon rum. Wie immer: prima Zeug um seine Wohnung und sich selbst zu dekorieren. In der Abteilung Erinnerungsstücke gab’s, wie einst vor 20 Jahren, mal wieder Mauerstücke. Nicht jedoch vom antiimperialistischen Schutzwall, der die neuen von den gebrauchten Bundesländern trennte sondern ein anderes Gemäuer, dass hier zu Lande mindestens genau so sehr die Gefühle aufwühlt: Der Nordflügel des denkmalgeschützten Hauptbahnhofes. Der Denkmalschutz hat doch nicht ganz so funktioniert, jetzt kann sich ein jeder die von Felix Fuchs gestaltete Karte mit Protestdevotionalie kaufen und in die Andachtsecke stellen.

Wer die Dekumo verpasst hat, kann sie ja wo oder wann anders besuchen: dekumo.de

17. November 2010

“Mir send’s doch”

von Christiane Wild

Einen Agenturmeldung, die jeden Kommentar überflüssig macht:

Stuttgart/Köln (epd). Das Büro gegen Altersdiskriminierung hat die Demonstranten gegen das Bahnhofsprojekt „Stuttgart 21“ mit dem Ehrenpreis „Die Goldene Falte“ ausgezeichnet. Die Protestteilnehmer hätten das „Politiker- und Mediengeplapper vom Generationenkonflikt“ Lügen gestraft, begründete das Büro seine Entscheidung am Mittwoch in Köln. Die Demonstranten gegen Stuttgart 21 belegten, dass die Veränderung der Selbstwahrnehmung vom „mir zählet nix“ (wir sind nichts wert) zum „mir send’s doch“ (auf uns kommt es an) in jedem Lebensalter funktionieren könne.

Der Ehrenpreis „Die Goldene Falte“ wird den Angaben nach alle zwei Jahre vom Büro gegen Altersdiskriminierung vergeben. Die Auszeichnung ehrt Konzepte, Projekte, Texte oder Werbungen, die Altersklischees widerlegen und negativen Altersbildern Positives entgegensetzen.

13. November 2010

Soko arbeitslos

von Tobias Köhler

Endlich hatten wir’s geschafft: die “Tagesschau” berichtete jeden zweiten Tag über uns, “Spiegel Online” kannte über Wochen kaum ein anderes Aufmacherthema als die News aus dem Kessel und Wolfgang Schusters Pressespiegel fürs zweite und dritte Quartal 2010 ist umfangreicher geraten als Kindlers Literaturlexikon. Keine ernst zu nehmende Satiresendung – ob die “heute Show“, “Extra 3” oder die “Harald-Schmidt-Show” – kam mehr ohne Gags über Stuttgart aus.

Endlich keine Witze mehr über Kehrwoche und Spätzle und Alles-außer-Schwäbisch-können und so.

Dachten wir. Eine neue Studie von “Men’s Health“, der Mitgliederzeitschrift der GdP (Gewerkschaft der Polizei), hat eine schockierende Erkenntnis zu Tage gefördert, die uns schlimm zurückwirft: In Stuttgart sieht’s kriminell schlecht aus, was die  Taschendiebstahlstatistik betrifft (Foto: dpa). Während sich Testsieger Köln über 800 Taschendiebstähle pro 100.000 Einwohner pro Jahr freuen darf, sind es in Stuttgart nur 161. Das bedeutet: Platz 36 – und der Sturz in die völlige Bedeutungslosigkeit im Bereich Kleinkriminalität.

Selbst Käffer wie Rostock, Mannheim und München sind diebischer als wir! Wenn das so weitergeht, können wieder uns in unserem Kummer schon bald wieder nur an die Kutterschaufel und den Trollinger klammern. Unsere Lieblingsserie Soko Stuttgart wird abgesetzt – mangels Kriminalfällen.

Wir von Brezel.me wollen nicht, dass es so weit kommt, gehen mit gutem Beispiel voran – und klauen uns erstmal gegenseitig die Geldbeutel, stechen einander die Fahrradreifen auf und kritzeln schmutzige Parolen an die Wände des Brezel-Towers. Es ist ja für einen guten Zweck.

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09. November 2010

Wir sind Bahnhof

von Erik Raidt

Die Woche schreitet unaufhaltsam voran, das Highlight rückt immer näher: am Freitag dürfen wir ein weiteres Türchen im großen Vorab-Adventskalender öffnen: die Schlichtungsgespräche zu Stuttgart 21 gehen in die nächste Runde, nich wahr.

Heiner Geißler bereitet sich Brezel.me-Informationen zufolge schon seit gestern mit yogischen Kopfständen auf die nächste Sitzung vor – in der vergangenen Woche drohte er angesichts der knäckebrottrockenen Vorträge mehrfach einzuschlafen: “Das passiert mir so schnell nich wieder, nich wahr”, sagte Geißler nach der Sitzung gegenüber Brezel.me.

Die eigentliche Sensation wird aber die Debatte um K 21 – die große S 21-Alternative der Gegner. Bisher sprechen die Projektbefürworter stets von einem Phantombahnhof, der überhaupt nicht gescheit geplant sei.

Alles Quark: K 21 existiert! Brezel.me liegen bisher geheim gehaltene Aufnahmen des neuen Stuttgarter Bahnhofs vor. Im Vordergrund der neueste Hochgeschwindigkeitszug der Bahn.

04. November 2010

Kein Kalk nirgends

von Christiane Wild

Am Rande des Schlichtungsgesprächs hatte Brezel.me die Gelegenheit, Heiner Geißler zum Interview zu treffen.

Herr Geißler, wie sind Sie mit dem Verlauf der Schlichtung zufrieden?
Jetzt sagen Sie mir erst mal Ihren Namen, nich wahr. Nur fürs Protokoll.

Gerne.
Kleinen Moment. Jetzt würde ich vorschlagen, nachdem Sie hier schon stehen, stellen Sie eben auch Ihre Fragen, nich wahr.

Glauben Sie die Schlichtung hat das Niveau der Kommunikation zwischen Gegnern und Befürwortern verbessert?
Formulieren Sie die Frage doch mal so, dass die Menschen da draußen am Bildschirm verstehen, um was es hier geht, nich wahr.

Ähm also, bringen diese Gespräche denn wirklich was?
Wir müssen fair und ehrlich miteinander umgehen, nich wahr. Dann bringt das auch was.

Diese stundenlangen Gespräche, das ist doch anstrengend oder?
Also wenn Sie jetzt auf mein Alter anspielen, dann muss ich Ihnen mal was sagen: Es gibt viele, die sind älter als ich und denen rieselt schon der Kalk aus der Hose, nich wahr. Ich halte während der Gespräche eine schlichte Diät und dann geht das schon.

Interessant – und was essen Sie?
Brezeln, Brezeln, Brezeln. Was anderes kommt mir nicht in die Tüte, nich wahr.

Das freut uns.
Aber das hat mit der Neubaustrecke gar nichts zu tun, nich wahr. Ich muss jetzt auch zurück in die Sitzung.

26. Oktober 2010

Adieu, Okrakel!

von Christiane Wild

Seit der WM war es still um ihn geworden, jetzt ist Krake Paul gestorben.

In Stuttgart wäre er noch gebraucht worden. Wir haben viele Fragen, auf die vermutlich nur Paul eine Antwort gehabt hätte: Schafft Yoda Geißler die Schlichtung? Wird uns der Juchtenkäfer unser Engagement danken oder wird er die Herrschaft über Stadt und Land an sich reißen? Und was macht er dann aus Stefan Mappus?

Das alles kann dir jetzt egal sein, Paul.

Mach’s gut Okrakel!

25. Oktober 2010

Tu’ IHN unten rein!

von Dora Asemwald

Letzten Samstag auf dem Schlossplatz: Große Veranstaltung der Freunde des geplanten Tiefbahnhofes. Um gegen die grün bebuttonte Gegnerschaft Flagge zu zeigen gab’s auch Merchandise. Ein Shirt hat mich jedoch verwirrt: „Tu IHN unten rein! Stuttgart 21“. Wer ist „IHN“? Und meinen die hinten oder vorne?

Foto von Martin Anner

15. Oktober 2010

Visionen im Nebel

von Christiane Wild

Ein paar Leute haben an der Kristallkugel gerieben. Heraus kam eine ganz schön düstere Zukunft (siehe unten) für Stuttgart. Gar nicht so wie oben auf dem Foto. Bei der trüben Nebelsuppe vor dem Fenster kann einem aber auch wirklich schwarz vor Augen werden, gerade auch humortechnisch.

Also Augen auf und durch.

YouTube Preview Image

12. Oktober 2010

Der S21-Baukasten

von Tobias Köhler

Den Abriss des Nordflügels gibt’s schon von Lego Logo. An der Schlacht im Schlossgarten sind die Baustein-Designer noch dran.

Thanx an @baranek, Quelle: Parkschützer

07. Oktober 2010

Stuntman gesucht

von Tobias Köhler

“Interessante und vielseitige Aufgabengebiete”. Achso. Na dann, Leute, krallt euch den Job.

Thanx an Jörg für den Tipp. Frage mich nur, warum du dich auf Jobportalen rumtreibst ;-)

17. September 2010

+++Breaking News+++

von Erik Raidt

Stuttgart. Wie uns aus absolut zuverlässigen Quellen namens Kessel.TV mitgeteilt wurde, wird das bisher umstrittene Tiefbahnhofprojekt Stuttgart 21 abgeblasen und durch Baggersee 21 ersetzt.

Wolfgang Drexler übernimmt als Kapitän die generalsanierte MS Berta Epple, die zu einem Luxus-Kreuzfahrtschiff umgebaut wird.

08. September 2010

Pro21 Shirts

von Martin Elbert

Sehen so die typischen Befürworter aus? Spargeldünne Bloggerboys, halbe Köhlis mit Sonnenbrillen? Wir wissen es nicht.

Fakt ist, wo es ein dagegen gibt, gibt es auch ein dafür. Letztere Fraktion kommt einem momentan zwar etwas klein vor (in der Aussage steckt keine Positionierung der Brezel, sondern nur ein Gefühl), aber sie gibt es. Vor allem unter den Jungen, die ja gerne behaupten, das Durchschnittsalter der Protestler liegt irgendwo zwischen 95 und Johannes Heesters.

Die Facebook-Gruppe “I love 21 Stuttgart” macht jedenfalls Herzen-Pro21-Shirts und knapp 300 Leute finden das bislang gut. Die Gruppe gibt es seit Montag. Mutig wie man ist, stellt man sich auch vor den Gedächtniszaun.

Die Sonnenbrille zählt wohl zur Grundausrüstung.

Etwas länger hingegen gibt es schon diese Shirts:

Sehen beschissen aus, was wiederum ebenfalls nix mit einer Positionierung, sondern einzig allein mit meinem Geschmack zu tun hat. Gerüchten zur Folge steckt dahinter die Junge Union.

Außerdem, wenn wir schon im Pro-Feuer sind, gibt es neuerdings einen neuen Blog namens Laufen für Stuttgart, “weil Stuttgart 21 Sinn macht”, heißt es da. Die laufenden Befürworter treffen sich ab morgen Abend. 9. September, jeden Donnerstag vor den Mineralquellen beim Leuze.

Die Route geht über 4,5 KM durch die unteren und mittleren Anlagen über den HBF zum Rathaus. Für die Fortgeschrittenen geht es dann wieder die gleiche Strecke zurück. Die Route ist nicht als Provokation zu verstehen, heißt es auf dem Blog, sondern mal will lediglich niemanden im Weg sein.

01. September 2010

“Dann starten Sie im Grunde genommen am Flughafen…”

von Erik Raidt

Wie gesagt: Wir diskutieren hier nicht über Politik, Bauzäune und Tiefbahnhöfe!

Na gut, eine Ausnahme muss drin sein. Habe gestern Ede Stoiber bei Maischberger gesehen. Dabei ist mir mal wieder klar geworden, wie schlecht der neue Bahnhof in Stuttgart verkauft wird, weil keiner mehr so richtig kapiert, was eigentlich Sache ist.

Das wäre uns mit Ede nie passiert. Seine Erklärung zum Transrapid in München. Unvergesslich!

23. August 2010

Brezel am Zaun

von Christiane Wild

Da kann der Tobias noch so viel von Betriebsferien faseln, es täuscht halt nicht darüber hinweg, dass keinesfalls wir ALLE Urlaub haben. Klar, der Tobias hat Urlaub – wie so oft, möchte man sagen, aber er hat ihn sich ja auch irgendwie verdient und so. Behauptet er jedenfalls.

Manche Brezeln sind aber trotzdem da. Und die trifft man an den denkwürdigsten Orten. Da wo was los ist. Im Herzen der Stadt. Am Zaun. Mittendrin.

Oben bleiben, kleine Brezel und lass dich nicht anknabbern!