Mit ‘Sperrmüll’ getaggte Artikel

19. Mai 2011

Elchtest

von Martin Elbert

Scheiße Mann, ich hab´s ja wirklich echt nicht so mit Plüschtieren, eigentlich gar nicht. Gut, ich drehe auch keine Youtube-Tutorials über Schminke, in denen die Youtuberinnen gerne ihre Plüschtier-Galerie hinter sich aufbahren wie einen Altar. Das einzige Plüschtier, dass ich wirklich gerne hätte, wäre ein echter Plüschtier-Ingmar, an den ich mich abends rankuscheln kann.

Heute früh schaue ich aus meinem Fenster und was ich da sah, hat auch mir fast das Herz zerrissen: In der Allesreinwasnichtpapierundglasisttonne lag dieser Plüsch-Elch, halb erwürgt vom Deckel der Mülltonne – und hat dabei immer noch gegrinst, scheinbar nichts ahnend welches Schicksal ihn bald erheilt.

Mann Leute! Mensch Nachbarn! Ihr stellt doch sonst immer jeden Kram auf den Gehweg und schreibt blöde Zettel dazu (“Zum Mitnehmen!”), warum nicht dieses schöne Tier? Hätte sich bestimmt noch jemand gefreut. Aber vielleicht war es auch ein Erinnerungsstück, das man endlich los haben wollte, weil eben so viele Erinnerungen drin stecken. Wer weiß das schon.

Ich erinnerte mich jedenfalls spontan auch an den berühmten A-Klasse-Elchtest. Kennt den noch jemand? Die damals in den Mitte 90er neue A-Klasse umgekippt bei so einem Fahrtest der eben Elchtest heißt. Oder Wildschwein-Test oder Rehtest. Scheiß Schwerpunkt und so. Davon hat Harald Schmidt mehrere Wochen gezerrt. War ehrlich gesagt schon bisschen witzig.

Nun, die A-Klasse gibt es trotzdem immer noch, dieser Elch wird bald abgeholt. Ich weine eine Träne für ihn.

01. Juni 2010

Museum der rausgestellten Dinge

von Ingmar Volkmann

Wir sind ja hier so was wie die ehrenamtlichen Blogwärter (Kruzifix, was ist denn das für ein Plural: Blockwart – Blockwärter? Blogwart – Blogwärter?) des Stuttgarter Internets und kümmern uns um Ordnung, Sauberkeit und moralische Reinheit. Nennen Sie uns ruhig die Wolfang Schusters des Worldwideweb!

Seit einiger Zeit beobachten wir einen Verfall der Sitten in Bezug auf die Wegwerfkultur: Statt alten Schmodder wie zum Beispiel einen nicht mehr fahrbereiten Golf III beim Sperrmüll rauszustellen, wird der persönliche Ballast einfach vor die Tür gestellt, versehen mit so euphorischen Mitteillungen wie „Gratis!“, „Zum Mitnehmen“ oder „voll umsonst und für lau, echt jetzt!“

Das mag für die Wegschmeißer supidupi sein, wir haben für die Verrohung der Privatmüllsitten indes einen anderen Vorschlag: Wenn Orhan Pamuk in Istanbul ein Museum der Unschuld einrichten darf, in dem er Gegenstände einer verflossenen Liebe ausstellt, fordern wir ein Museum der Stuttgarter Gratis-Gegenstände, in dem all die lieben Mitbewohner ihren Schmodder abstellen können, den sie sonst vor die Haustüre kippen würden.

Wenn man das Ganze gescheit kuratiert, gewinnt man in 20 Jahren mit Sicherheit tolle sozio-historische Erkenntnisse über die 10er-Jahre, oder wie heißt der Nachfolger der Nullerjahre eigentlich, dieses Jahrzehnt, dass wir vor kurzem mit Lena und ohne Horst Köhler begonnen haben?

21. April 2010

Zeug rausstellen

von Martin Elbert

Ob nur in Stuttgart oder auch anderswo, kann ich nicht sagen, auf jeden Fall ist es im Kessel (zumindest mal nach eigener Erfahrung in S-West) schon längst ein heißer Trend, diverse Gegenstände (besser gesagt irgendnen Scheiß) einfach mal mit obigen Zetteln versehen auf die Straße zu stellen.

Frei nach dem Motto: Meine Wohnung ist voll, hm wohin damit, ach komm, ab damit auf den Gehweg, ich vergewaltige zwar öffentlichen Raum mit Schrott und suggeriere dabei den Leuten aber noch frecherweise, etwas Gutes zu tun.

Falsch: Ihr seid zu faul/zu fein euren alten Kram in der Wohnung zu sammeln und könnt es einfach nicht abwarten bis genügend zusammen kommt bis man den Sperrmüll rufen kann.

Wir interessieren uns nicht für eure verrosteten Wagenheber, angefaulten Ikea Tischen, schimmeligen Schirmlampen kurz nachm Krieg oder eben auch U-Boot-Bücher. Und jede Wette: Es fiel euch bestimmt verdammt schwer einen caritativen Zettel zu verfassen oder? Also keep your scheiß inhouse, crazy Mofos.

17. Februar 2010

Mein Nachbar, der U-Boot-Kapitän

von Ingmar Volkmann

Heute stand bei uns Sperrmüll vor der Tür. Normalerweise ist es mir recht Wurst, was die lieben Nachbarn wegschmeißen: ihre Kinder, die eigene Oma, einen nagelneuen Kleinwagen – wenn’s Platz schafft?

Gruselig wird es allerdings, wenn sich zwischen all dem Gerümpel die neueste Wehrmacht-Literatur findet. Wer zum Geier verschlingt in unserem Hause NS-Bestseller-Autor Wolfgang Kähler mit seinem wegweisenden Werk „Schlachtschiff Gneisenau“? Und wer schmökert fröhlich das Meisterwerk des deutschen Spät-Impressionismus „Konvoi. U-Boot-Jagd auf die Geleitzüge SC. 122 und HX.229 (1943)“ von Martin Middlebrook?

Wahrscheinlich das süße, steinalte türkische Ehepärchen über uns. Werde da mal nachhaken.