Mit ‘Politik’ getaggte Artikel

18. Februar 2010

Franz-Josef braucht Futter

von Erik Raidt

Es gibt Abendtermine, für die gehört dir eigentlich ein Tapferkeitsorden verliehen. Aber am nächsten Morgen sind die Medaillen mal wieder ausgegangen und du gehst erneut leer aus auf dem Feld der Ehre.

Gestern war mal wieder ein solcher Abend. Politischer Aschermittwoch der CDU in der Gaststätte Jägerhaus in Bad Cannstatt. Die Tische waren mit Papierdecken in schönstem Ändschie-Orange gedeckt, die Deutschlandfähnchen, die einst von engen Mitarbeitern von Helmut Kohl handbemalt worden waren, steckten in Weizengläsern. Die holzvertäfelte Decke erinnerte mich an Kaffeefahrten nach Luxemburg, auf denen ich einst sehr schöne Herrengedecke überreicht bekam.

Wehmütig gedachte ich Aschermittwochsveranstaltungen, bei denen die Redner mit der Faust auf den Tisch geschlagen hatten, dass in den hinteren Reihen noch das Pils aus dem Glas schwappte. Heute gibt es leider keine bösen Buben mehr bei der CDU.

Mein Lieblingsgast des Abends: Sparschwein Franz-Josef, das am Eingang auf Spenden wartete. Leider hat kaum einer die Sau beachtet. Bin dann raus und habe nach blühenden Landschaften gesucht. Gab aber noch keine.

07. Februar 2010

Öder Faschingsauftakt bei den Piraten

von Erik Raidt

Wahrscheinlich bin ich einer der größten Faschingsfans überhaupt. Liegt wohl auch daran, dass ich Fossilien wahnsinnig spannend finde und bei zahlreichen Festkomitees von Karnevalsvereinen fündig geworden bin. Liegt vielleicht auch daran, dass der SWR uns noch bis weit in den Sommer hinein mit Rückblicken von Straßenumzügen aus Großompfingen und Kleinsauenheim verwöhnen wird und dabei ein Gespenst namens Sonja Schrecklein die Kinder das Fürchten lehrt.

War also abgemacht, dass ich am Samstag zur Prunksitzung der Stuttgarter Piraten in die Alte Feuerwache nach Heslach bin. Ich hatte mich schon im Vorfeld warmgetrunken, um anschließend die tollsten Bräute in Schunkelstimmung zu bekommen. Ich hatte Hütchen auf, Federboa dabei und Faber-Sekt ultralieblich.

Dann aber war es echt komisch. Der Büttenredner faselte was von Bürgerrechten und Datenklau. Ich blickte schon nix mehr, rief nach jedem Redebeitrag Helau und wartete vergeblich auf den Tusch. Keiner wollte mit mir anstoßen, von Frauenquote hatten die noch nie was gehört und die meisten Jungs sahen aus wie Zivis beim DRK. Als nach einer Stunde immer noch niemand mit mir Polonaise tanzen wollte, trollte ich mich.

Nächstes Jahr feiere ich woanders.