Der einzige Mensch, den ich kenne, aus dem je etwas geworden ist, obwohl er bei der Stuttgarter Zeitung gearbeitet hat, ist Jörg Rohleder. Bevor mich die Kollegen in Möhringen gleich erschlagen, folgt die Entschuldigung auf dem Fuße. Kleiner Scherz, gell, Spaß muss sein, und hat diese Woche auch noch einen knorken Aufhänger. Besagter Rohleder stellt am Donnerstag nämlich seinen ersten Roman in Stuttgart vor, das beste Popliteratur-Werk, das ich seit langem gelesen habe.
Rohleder hat seine Karriere wie gesagt einst bei der Stuttgarter Zeitung gestartet, um dann beim angeblichen Nachrichtenmagazin Focus zu volontieren. Über den Umweg Vanity Fair ist der Kollege schließlich beim Musikexpress gelandet, wo er heute Mitglied der Chefredaktion hat.
Jörg ist sozusagen mein heimliches Vorbild, er hat alle noch lebenden Philosophen dieser Erde interviewt, den Dalai Lama, Bill Gates und Sven Väth. Seine größte Leistung war es aber, bei der StZ die verpönte Clubkultur ins Feuilleton zu schmuggeln. Bis Ende der 90er hatte man in Möhringen nur die 100-jährigen Abonennten im Blick, dank Jörg gab es plötzlich Ausgehtipps für Menschen unter 90 im Blatt.
Diese Woche nun ist wie gesagt sein erster Roman erschienen. Der Erstling „Lokalhelden“ dreht sich um das Aufwachsen und Abstürzen in Stuttgart und Region in den 90ern. Das Büchle ist sehr hübsch geworden und funktioniert auch ohne Bezug zu Stadt sehr gut. Wer aber wie der Autor in der witzigsten Dekade des letzten Jahrhunderts im Kessel aufgewachsen ist, wird sich freuen wie blöde ob der vielen Szenen, die einem bekannt vorkommen.
Donnerstag liest Jörg ab 23 Uhr im Club Schräglage ein wenig aus seinem Werk, anschließend legt Schowi zum Buch passende Club-Sounds auf. Den Freitag darf man sich bei dem tollen Sommerwetter dann getrost freinehmen.
Jörg Harlan Rohleder Lokalhelden, Piper, 288 S., € 16,95




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