Mit ‘Laufen’ getaggte Artikel

19. Juli 2010

Der Siggi und der Hagen

von Tobias Köhler

Eigentlich schreibe ich diese kleine Geschichte nur deshalb auf, um mit dem folgenden Satz beginnen zu können:

Gestern habe ich in meinem alten, schlabbrigen Joggingsklamotten einen ziemlich schnellen, voll in Markenware gehüllten Edeltraber – oder wie man diese Designläufer nennen mag – überholt. Ich war einfach brutal gut drauf.

Jederfalls ist mir – trotz meiner irrsinniger Geschwindigkeit, muss man dazu sagen – aufgefallen, dass der Kerl wieder mal das Logo seines T-Shirts hinten rechts über dem Schulterblatt trug.

Bar jeder Recherche behaupte ich einfach mal, dass North Face diese Unsitte vor Jahrzehnten eingeführt hat. Als ich zum ersten Mal eines Menschen gewahr wurde, dessen scheißteures Funktionsshirt hinten rechts “The North Face” aufgedruckt hatte, war ich schon dabei, ihm ordentlich polternd auf die Schultern zu patschen und zu sagen: “Kerle, du hasch dei Hemmetle verkehrtrum an.” Ein ebenso unvermuteter wie seltener Anfall von verbaler Verschlossenheit rettete mich vor einer schrecklichen Peinlichkeit. Denn schnell begriff ich: Des g’hört so.

Warum das so gehört, begreife ich bis heute nicht. Ob Steinzeitmensch, Luftwaffengeneral oder Nike-Kunde – seine erjagten Knöchelein, Orden oder Firmenlogos trägt man seit Jahrtausenden auf Höhe der Brustwarze. Vorne also.

Einzige bekannte Ausnahmen: der Siggi und der Hagen. Nämlicher Siegfried, der alte Nibelunge, war nach einem Bad im Drachenblut praktisch unverwüstlich – abgesehen von einer kleinen Stelle an der Schulter. Die markierte des Helden Holde mittels einen kleinen, eingehäkelten Kreuzes. Was der scheinheilige Hagen wiederum nutzte, um den Siegfried…aber das wissen ja noch alle aus der Schule.

Jedenfalls: nicht unbedingt ein richtig guter Grund, das Firmenlogo als “Auf ihn mit Gebrüll”-Markierung hinten ran zu nähen. Finde ich jedenfalls.

Aber vielleicht kann mir ja einer von euch erklären, warum man das heute so macht.

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02. Juli 2010

Mäusehelden

von Tobias Köhler

Wenn ich an den Bärenseen laufen gehe, pople ich mir die Ohrstöpsel meines MP3-Player in die Gehörgänge und flute mein Hirn mit Musik. Dann verabschiede ich mich von der Realität und lasse meinen Gedanken schweifen. Meistens endet das in wilden Allmachtsphantasien.

Im Rhythmus meiner Schritte stelle ich mir dann vor,

  • dass ich beim Laufen alle anderen überhole, weit hinter mir lasse und auf den Weltrekord zusteuere.
  • dass ich im Büro dem Kollegen endlich mal ins Gesicht sage, dass er mich unfassbar nervt.
  • dass ich in der Konferenz eine bejubelte Rede zum Thema “So verdienen wir richtig viel Geld im Internet” halte.
  • dass ich bei Bejeweled mehr als 500.000 Punkte sammle, das Ergebnis bei Facebook poste und dafür 2000 “Gefällt mir”s kriege.
  • dass ich den Literaturnobelpreis für meine Postings bei Brezel.me bekomme.
  • dass ich es den Brezel.me-Tower in der City wirklich gibt und ich das Büro im obersten, 299. Stockwerk bewohne.
  • dass ich – in einem engen blauen Kostüm (mit einem roten “S” vornedrauf), das jeden meiner unfassbar gut modellierten Muskeln perfekt zur Geltung bringt – die Welt von allem Bösen befreie, speziell von Lex Luthor, Kim Jong-il und Darth Vader.

Das ist dann der Moment, in dem rechts aus dem Gebüsch eine winzig kleine Maus hervorspringt.

Immer.

Aufgrund irgendwelcher Witterungsgeschichten gibt es dieses Jahr nämlich hunderttausende kleiner Mäuse an den Bärenseen, die völlig unvermittelt aus dem Gebüsch springen und einem vor der Nase über den Weg laufen. Und irgendwie kommen sie immer von rechts.

Jedes Mal, wenn so ein Vieh auftaucht, erschrecke ich mich zu Tode, mache eine kleinen Sprung über das Mäusle drüber, stolpere dabei fast über meine eigenen Beine.

Und finde mich in der Realität wieder.

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21. Februar 2010

Noch 21 km: die Soße läuft rein

von Erik Raidt

Sonntage ohne Routine sind schrecklich: wegen extrem nerviger Olympiafolter fällt nicht nur der Tatort flach, auch die Lindenstraße beginnt früher als sonst. Habe überlegt, Verfassungsklage einzureichen und die ARD-Zuschauerredaktion mit Protest-E-Mails zu fluten, war dann aber zum Frustabbau laufen.

Bin dabei allerdings schon wieder mit meinen Schuhen aneinandergeraten.

Schuh: Endlich hatte ich mal wieder Auslauf. Bei allem Respekt, aber Du bist kaum mehr den Hügel zum Fernsehturm raufgekommen.
Ich: Es war draußen wahnsinnig sulzig.

Schuh: Es war was?
Ich: Sulzig. Also matschig, tief, grobkörniger Schnee. Sprachlich bist Du ziemlich limitiert.

Schuh: Genau wie Du beim Laufen. Hast Du eigentlich auch gemerkt, dass Du in jedem Frühjahr von mehr Läufern überholt wirst und dabei selbst immer weniger überholst?
Ich: Hm, hast Du eigentlich gemerkt, dass Dir heute ganz schön das Tauwasser reingelaufen ist?

Schuh: Moooment. Vielleicht hast Du beim Kauf mal wieder nur auf den Preis geschaut. Da stand “wasserabweisend”, nicht “wasserundurchlässig”.
Ich: Weißt Du was? Vielleicht ist das Frühjahr ein guter Zeitpunkt, um neue Laufschuhe zu kaufen. Unsere Wege könnten sich schneller trennen als Du denkst…

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18. Februar 2010

Noch 21 km: Ein Herz für Läufer

von Martin Elbert

(Bei so einem Spruch nimmt man die Beine in die Hand und ist noch schneller daheim.)

Der Winter kann auch schön sein. Zwar stehe ich im Punkt Schnee-Weggedisse total hinter den Kollegen, die es ja hier die Tage ordentlich haben krachen lassen, aber das hängt hauptsächlich daran, dass man als Läufer im Winter bzw. im Schnee nicht richtig in den Tritt kommt, wie schon mal erzählt.

Trotzdem hat ein Winterlauf hat auch seine romantischen, vorzüglichen Seiten. So ein Run auf einem frischen Schneebett, wie es z.B. vergangenes Wochenende im Schlossgarten/Rosensteinpark geboten war, zählt trotz Kälte, rotzender Nase und frierender Wutz zu den Lauf-Highlights im Jahr. Auch schön ein Lauf durch einen verschneiten Wald. Unter dem Strich gilt aber, dass es diese Highlights nicht öfters als zwei, dreimal im Jahr geben muss.

Vergangenen Sonntag also kam es zu so einem Highlight-Lauf. Langsam bewegte man sich fort, man will ja nicht stürzen, rannte am Landtag vorbei durch alle drei Schlosspark-Teile und bog dann in den Rosensteinpark ein.

Dort war es ganz besonders cosy, wie moderne Stuttgarter Agenturen gerne sagen (haben sie in internationalen Lifestyle-Magazinen gelesen), auch ganz ohne Kaminfeuer und Flauschidecke.

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06. Februar 2010

Noch 21 km: Schuhdialoge

von Erik Raidt

Heute war ich mir sicher: raus in den Wald, keine Ausreden zählen, den inneren Schweinehund Gassi schicken. Doch dann: wieder nix, wieder nicht joggen gewesen und nur noch vier Monate bis zum StZ-Lauf.

Mein Laufschuh hielt mir eine Standpauke.

Schuh: Du bringst es nicht mehr, was ist los mit Dir?
Ich: Schau doch mal raus, Du ausgelatschte Neonschlappe. Es regnet!

Schuh: Es regnet, es schneit, Du hast Kopfschmerzen, ich kann Deine Ausreden nicht mehr hören. ZIEH MICH AN!
Ich: Weiß nicht, es dämmert draußen schon. Willst Du, dass ich mir eine Stirnlampe umbinde und wie ein Wackeldackel durch den Wald hetzte?

Schuh: Ist mir egal. Ich finde, Du wirst immer mehr wie Joschka Fischer. Erst Riesenklappe, erst “Lauf zu Dir selbst” und dann Figur wie ein japanischer Kugelfisch.
Ich: Dafür siehst Du billig aus, Du eingebildetes Streifenhörnchen aus Herzogenaurach. Gib’s zu: Du hast Minderwertigkeitskomplexe neben meinen Businessschuhen.

Schuh: Auf dem Niveau red’ ich nicht mehr mit Dir!
Ich: Morgen gilt’s, versprochen!

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28. Januar 2010

Noch 21 km: Es geht

von Martin Elbert

(Was die jüngeren Leser nicht wissen können: Auch im Jahr 2000 gab es schon strenge Winter in Stuttgart!)

Im “Eisschrank Deutschland” (wahlweise Gefriertruhe, wir brauchen unbedingt neue Wörter) stellen sich die Tage essentielle Fragen, wie man gestern z.B. auch auf BILD-Online lesen konnte. “Kann eigentlich auch mein Handy einfrieren? Und was ist mit dem besten Stück des Mannes…?”

Die letzte Frage kann ich fast beantworten: Mein Schniedel ist mir gestern Abend fast abgefallen. Denn ich war laufen. Zwar in einer etwas dickeren Lauftight, aber mein Zipfel fühlte sich schnell relativ leblos an.

Aber wie es sich für einen echten Läufer gehört, der langsam aber sicher sein Pensum steigern sollte, möchte er denn Ende April beim Hamburg Marathon starten und im Juni beim StZ-Lauf Pacemaker für Tobias K. (Zielzeit 2:00 h) spielen, muss man raus – bei jedem Wind und Wetter.

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