Das ist der erste Beitrag auf Brezel.me, der ganz ohne Foto oder Video erscheint. Besser gesagt, erscheinen muss. Denn es gibt einige wenige Dinge auf der Welt, von denen es heißt: Du sollst dir kein Bildnis machen.
Zum Beispiel von schwabbeligen Mittfünfzigern, die ohne T-Shirt durch die Wälder an den Bärenseen joggen.
So einer ist mir am Sonntagmorgen ganz unvermittelt begegnet. Die Sonne schien, die Vögel zwitscherten, die Rehe sprangen fröhlich über die Wiesen – als sich der Himmel plötzlich verdunkelte und sich Stille über die Szenerie senkte. Dann kam ER über die Hügelkuppe getrabt: Sonnenbrille, kurze graue Haare, Khahi-Shorts, OBEN OHNE. Sanft schwenkte sein Bauch bei jeden Schritt von rechts nach links, von links nach rechts, etc.
Spontan stürzten mehrere 300-jährige Eichen um, Herzattacken rafften die Rehe hinweg, die Vöglein fielen wie Steine vom Himmel, nur die Sonne legte eine bemerkenswerte Contenance an den Tag. Ich selbst rettete mich mit einem Sprung in den Straßengraben vor dem Schlimmsten.
Mal im Ernst, Leute: Joggt in euren Muscle-Shirts von Prada, lauft in Biberpelzen, Taucheranzügen oder Hasenkostümen durch den Wald. Wegen mir könnt ihr sogar diese abartigen Läufertangas tragen, die die Profis gerne anziehen, auch wenn’s mir schon beim Zuschauen im Schritt schmerzt.
Egal, ob ihr ausseht, wie Günther Strack oder wie Markus Schenkenberg, wie Hella von Sinnen oder wie Kate Beckinsale: zieht euch bitte, bitte was drüber.