Mit ‘Bücher’ getaggte Artikel

03. Dezember 2010

Bahnhofsmerchandise

von Ingmar Volkmann

Demnächst findet wieder das fetteste Fest der Christenheit statt, Betlehem-Gedächtnis-Style, inklusive Zerwürfnis mit den Schwiegereltern, Enterbung durch die Erbtante, weil die Weihnachtsgans wieder zu trocken war und sonstigen hochemotionalen Begegnungen zwischen Gottesdienst und Bescherung.

Lustiges Experiment: Schafft man es, die dank S21 gespaltene Stadt auch unter der Nordmanntanne zu politischen Diskussionen zu verführen? Ein Versuch wäre es wert, daher im Folgenden ein kurzer Überblick über Bücher, die Heiner Geißler empfehlen würde: Das erste Büchle über den Hauptbahnhof, das mit duften Texten und noch schöneren Bildern dem Bau ein Denkmal gesetzt hat, war „Eins vor 21“ von Lutz Schelhorn und Uli Schwinge mit Textbeiträgen von Joe Bauer, Manfred Rommel und anderen*.

Bisschen mehr zum Nachdenken ist das Buch von Wolfgang Schorlau: Stuttgart 21 – Die Argumente ist das schnellste Buch, das der Kölner KiWi-Verlag jemals produziert hat. Schorlau hat es geschafft, die Autoren des Sammelbandes – darunter so grundverschiedene Stuttgarter wie Susanne Eisenmann oder Gangolf Stocker aus „Herr der Ringe IV – Der Bahnhof schlägt zurück“ – innerhalb von nur drei Wochen für sein Buch zu begeistern. Anlass für das Buch: Mein Lieblings Krimi-Autor bekam von einem der Robocops am 30.9. im Schlosspark eine mit dem Schlagstock übergezogen. Nachdem Schorlau abends dann auch noch Heribert Rech, den Innenminister der Herzen bei Slomka erleben durfte, hat er sich dazu entschlossen, auf diese Weise seinen Beitrag zur S21-Diskussion zu leisten. Das Buch wird am Montag übrigens in der Liederhalle vorgestellt in einer Veranstaltung des Stuttgarter Literaturhauses.

Das erste Buch über den Bauzaun hat der Silberburg-Verlag soeben rausgehauen. Heißt Der Stuttgarter Bauzaun. Phantasie des Protests und wurde von Sybille und Ulrich Weitz herausgegeben. Sieht hübsch aus, kann man sich auf jeden Fall zulegen. Im selben Verlag erschienen ist außerdem Bäume im Stuttgarter Schlossgarten von Jürgen Blümle.

Sollte es dank dieser duften Bücherle unter dem Baum dann noch mehr krachen, als im vergangenen Jahr, weiß brezel.me Abhilfe. Rufen Sie Heiner Geißler an, der schlichtet alles. Sogar eine Auseinandersetzung zwischen Weihnachtsgans und Zimtstern.

*Achtung, der Autor dieser Zeilen war an diesem Buch beteiligt, ist daher nicht objektiv  und fordert um so unverblümter zum Kauf auf, weil das Buch toll ist, für den deutschen Fotobuchpreis nominiert wurde und nur noch 300 Exemplare auf der Resterampe bei meinem Freund Uli herumfahren.

11. August 2010

Don’t forget…

von Tobias Köhler

Es gab Zeiten, da hießen die Stadtbahnen noch Straßenbahnen. Und diese Straßenbahnen waren schlanker als es die heutigen U-Bahnen sind, und sie schaukelten und quietschen, dass es eine Freude war. Jede dieser Straßenbahnen war ein bisschen anders und ein bisschen eigen.

Eines hatten sie aber alle gemein: einen großen schwarzen Aufkleber am Hintereingang – mit einem Schaffner (den es zugegebenermaßen nicht mal mehr in meiner Kindheit gab ;-) ) drauf, der irgendwas in der Hand hielt. “Vergiss nicht deinen Hugendubel” stand darunter – was mir als Kind ein ziemliches Rätsel aufgab. Einen Hugendubel hatte ich nicht, wusste nicht, was es sein sollte. Und konnte ihn in Folge dessen auch nicht vergessen.

Inzwischen weiß ich’s natürlich, leider sind die Aufkleber samt Straßenbahnen längst ausgestorben.

Umso mehr habe ich mich gefreut, heute bei – natürlich! – Hugendubel, wo ich mal wieder fett Bücher eingekauft habe, die ich nie lesen werde, den Aufkleber wiederentdeckt zu haben. Vielleicht kaufe ich beim nächsten Mal ja einen Hugendubel, aus purer Nostalgie.

Und damit ich ihn irgendwo vergessen kann.

14. Juli 2010

Ein bisschen rumhuren

von Tobias Köhler

Sie hat sich auf diversen Bestellerlisten herumgetrieben, ist mal mit diesem in den Verkaufscharts, mal mit jenem in der Amazon.de-Hitparade gesehen worden. “Die Wanderhure”, könnte man sagen, hat es geschafft. Der Historienschmöker verkauft sich wie geschnitten Brot. Naja, könnte am Titel liegen.

Und so ist es nur naheliegend, dass die “Wanderhure” a) Fortsetzungen bekommen hat und diese b) das “W”-Wort abermals im Titel tragen: “Die Tochter der Wanderhure” und “Das Vermächtnis der Wanderhure”.

Um das “W”-Wort aber richtig auszureizen, gibt es jetzt sogar die “Wanderhuren”-Aktion bei Amazon.de. Wanderhuren, wohin man schaut. Ein absoluter Trendjob. Und so freuen wir uns bereits auf die nächsten Teile des Opus magnum der Autorin Iny Lorentz:

  • Täglich grüßt die Wanderhure
  • Die Rückkehr der Wanderhure
  • Wanderhuren küsst man nicht
  • Harry Potter und die Wanderhure
  • 007 – Die Wanderhure ist nie genug
  • Das Wanderhuren ist des Müllers Lust
  • Wanderhuren der Karibik
  • Herr der Wanderhuren
  • Inglourious Wanderhurs

Ja, Leute, in der Serie steckt noch viel Musik – und Kohle – drin.

21. Juni 2010

Ruf doch mal an…

von Tobias Köhler

Heute Morgen hat’s an der Tür geklingelt, meine dreijährige Tochter hat aufgemacht – und eine nette Frau hat einen Stapel Bücher in unseren Hausflur gelegt. Meine Tochter wollte natürlich sofort wissen, was das denn für Dinger seien.

“Telefonbücher”, habe ich ihr erklärt.

“Und was macht man mit Telefonbüchern?”, hat sie gefragt.

Gut Frage, eigentlich. Bei uns ist das so: Wir kriegen einmal im Jahr die neuen Telefonbücher, legen sie an einen festen Platz unten im Bücherregal. Dort bleiben sie ein Jahr lang unbeachtet und unberührt liegen – und fliegen an dem Tag in die Altpapiertonne, an dem die neuen Bücher kommen.

Eine zeitlang wurden sie noch von unseren Töchtern fürs Training der Feinmotorik benutzt. Will heißen: Die Mädels haben beim Spielen Seite für Seite rausgerissen. Hat – anders als bei allen anderen Büchern – überhaupt keinen gejuckt. Denn wenn bei uns jemand eine Telefonnummer herauskriegen will, guckt er halt im Internet.

Mal schauen, wie lange wir die Dinger noch bekommen. Irgendwie würden wir sie wahrscheinlich doch vermissen, wenn sie eines Tag weg wären.

01. Juni 2010

Tests unter Rotlichtbedingungen

von Dora Asemwald

Ich hab mich aus meinem heimischen Süden rausgewagt um neue Geschichten für die Brezel zu finden.

Im tiefsten Rotlichtviertel (so tief das in Stuttgart halt sein kein) habe ich das Institut für Buchverwitterung entdeckt. Hier werden Druckfarben und Papiersorten im Langzeittest auf ihr Verbleichungs- und Vergilbungspotenzial unter Rotlichtbedingungen getestet. Auch der Staubakkumulationskoeffizient wird hier bestimmt. Die Bücher in der forderen Reihe fallen durch besonders schönes Titelrollen auf.

Die Zeitschrift "Damals" war schon damals von damals.

Im direkten Verbleichungswettbewerb gehen Gelb und Magenta eindeutig als Sieger hervor, sie weichen der Sonnenstrahlung schon lange vor Cyan und Schwarz. So wird aus dem Medicus der edicus. Auch das Stuttgarter Urgestein Manfred Rommel erstrahlt nun im frischen Cyan.