Mit ‘Bärensee’ getaggte Artikel

14. November 2010

Tatort Bärensee

von Dora Asemwald

Foto: SWR/Stephanie Schweigert

Jetzt haben wir ja grad festgestellt dass Taschendiebstahl in Stuttgart nicht so en vogue ist. Bei Mord ist das jedoch anders – wenn schon nicht statistisch dann zumindest im Krimi, sei es am Tatort oder bei der Soko. Grad eben gab’s mal wieder eine Leiche für Lannert und Bootz, am verschneiten Joggerparadies Bärensee. Gleich der erste Verhörte führte sich verdächtig auf. Mir kam der Bursche auch verdächtig vor, sah er doch Kriminaldirektor Kaiser von der Soko verdammt ähnlich. Kein Wunder, denn der wird ebenfalls von Karl Kranzkowski gespielt.

Von Stuttgart gab’s wenigstens was zu sehen, aber auch eine Bar aus Baden-Baden und ein Karlsruher Gymnasium wurden einfach hier her verfrachtet. Das ganz große Problemthemenfass wurde aufgemacht: Illegale Einwanderung, Abschiebung, Schulsystem, Schwarzarbeit, verbotene Liebschaft, Kindsentführung und polizeiliches Gemauschel um Anstand oder Recht. Jedoch eins haben sie dabei ein bisschen vernachlässigt: Spannung. Dafür gab’s bemitleidenswerte Kinder, weinend. Und die passende Diskussion bei Anne Will folgte auf den Fuß.

Wer’s verpasst hat und von mir nicht abgeschreckt wurde: http://www.ardmediathek.de

09. August 2010

Das Brezel.me-Montagsrätsel

von Tobias Köhler

Seit Jahren jogge ich regelmäßig durch diese idyllische Unterführung, die meine Bärenseen-Hood mit dem Stuttgarter Westen verbindet.

Und seit Jahren lesen ich jedes Mal diese Botschaft:

“Sti cât de mult te iubesc?”

Und seit Jahren frage ich mich jedes Mal: Was, zum Teufel, bedeutet das?

Ist das vielleicht…

  • …der Aufruf zum Schwaben-Dschihad?
  • …eine Auseinandersetzung mit der Konsumgesellschaft?
  • …einer dieser biblischen Sinnsprüche?
  • …die Botschaft von netten Außerirdischen?
  • …die Antwort auf die letzten Fragen des Lebens?
  • …der Spruch, mit dem man Rumpelstilzchen fertig macht?
  • …ein Aufruf zur Rettung des Stuttgarter Hauptbahnhofs?

Nein, isses nicht. Habe lange daran herumgetüftelt – und weiß jetzt Bescheid.

Wer kriegt’s noch raus? Bitte kommentieren?

26. Juli 2010

Kill Bambi

von Tobias Köhler

Weil’s in letzter Zeit tagsüber zu heiß zum Joggen war, habe ich meine Rundläufe in die frühen Morgen- oder späteren Abendstunden verlegt. Und festgestellt: Wenn’s dämmert, ist es ein bisschen gruselig im Wald.

Das liegt zum einen am herumstrolchenden Getier (dazu mehr later that day), zum anderen an den zahlreichen mitten im Wald parkenden Kombis oder SUVs. Zumindest in der Mehrzahl handelt es sich nicht um die Liebesmobile früh vögelnder Paare (sonst wären die Scheiben beschlagen), sondern um die Gefährte von Menschen mit Jagdtrieb (an “Teckel-Club Iserlohn”-Aufklebern zu erkennen).

Offenbar ist Jagdzeit. Neulich ist mir beim Laufen ein ganz in Khaki gekleideter Zeitgenosse begegnet, der – mit dem Gewehr auf dem Rücken – aus dem Unterholz heraus zu seinem Volvo-Kombi stapfte. Sah so ein bisschen nach Wehrsportgruppe Titisee-Neustadt aus. Die nächsten 500 Meter habe ich mich regelmäßig umgedreht, um sicherzustellen, dass der Mensch auch ganz sicher nicht seinen Ballermann auf mich anlegt.

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04. Juni 2010

Hallo Hitchcock oder Gut zu Vögeln

von Tobias Köhler

Nein, das ist keine Urban Legend. Ich habe auch nicht Alfred Hitchcocks “Die Vögel” unter gleichzeitigem Konsum halluzinogener Drogen angeschaut.

Ich bin tatsächlich zweimal in einer Woche beim Joggen von einem Vogel attackiert worden.

Wir reden nicht von einer Killeramsel oder einem aufgebrachten Rotkehlchen.

Vermutlich handelte es sich um einen Bussard.

Der hat sein Einfamilienhäuschen offenbar in der Nähe von Schloss Solitude aufgeschlagen, auf der Straße Richtung Gerlingen. Da laufe ich regelmäßig vorbei.

Etwa am Sonntag. Der MP3-Player düdelte gerade Massive Attack, als ich massiv attackiert wurde: aus heiterem Himmel kriegte ich einen gewaltigen Schlag auf den Kopf. Ziemlich benommen schaute ich herum: nichts zu sehen. Weder oben noch unten noch im Gebüsch. Die am wenigsten unwahrscheinliche Begründung schien mir, dass ein vorbeifahrendes Auto mir Kieselsteine an den Kopf geschleudert hatte. Oder irgend ein Fiesling war im Gebüsch gesessen und hatte mir nen Stein an den Kopf geworfen.

Soll es ja heutzutage geben.

Habe jedenfalls ne ziemliche Beule von der Aktion davongetragen.

Richtig gruselig wurde es aber am Donnerstag.

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21. Mai 2010

Angeschossener Erpel

von Tobias Köhler

Wer wie ich ca. 400 Kilometer pro Woche um die Bärenseen trabt, hat viel Zeit zum Nachdenken. Und vor allem zum Beobachten anderer Menschen.

Augenfällig ist, wie unterschiedlich die Leute durch den Wald laufen. Einige (wenige) haben einen Laufstil, der aus irgendso einem 80er-Jahre Sportheldenfilm (“Chariots of Fire”, o.ä.) stammen könnte – ich hab’ dann immer gleich diesen heroischen Vangelis-Sound im Ohr.

Die meisten joggenden Menschen geben ästhetisch aber nicht so viel her. Entweder wackeln sie mit dem Hintern, sie fuchteln wild mit den Armen durch die Waldluft oder ihre Beine machen Verrenkungen, die sie als Staatssekretäre im “Ministry of Silly Walks” qualifizieren würden.

Und ich wäre der Minister.

Nachdem mich mehrere Menschen auf meine Art zu laufen angesprochen hatten, entschloss ich mich unlängst zu einer non-invasiven Schönheitsoperation. Es sieht nämlich schlichtweg lachhaft aus, wenn so eine 120-Kilo-Type wie ich durch den Wald stampft und dabei die Hände baumeln lässt wie ein angeschossener Erpel (dpa-Foto).

Irgendwie Elefant-im-Tütü-mäßig.

Deshalb konzentriere ich mich inzwischen beim Laufen darauf, dass meine Daumen immer nach oben zeigen. Dann schlampern die Hände nicht so in der Gegend herum. Und es wirkt wahnsinnig optimistisch – ich fühle mich beim Laufen inzwischen ein bisschen wie das Michelin-Männchen mit Dauergrinsen.

Unvorstellbar, wieviele Probleme es vielleicht nicht gäbe, wenn alle mit hochgerecktem Daumen durch die Welt liefen.

10. Mai 2010

Bitte, bitte nicht ausziehen!

von Tobias Köhler

Das ist der erste Beitrag auf Brezel.me, der ganz ohne Foto oder Video erscheint. Besser gesagt, erscheinen muss. Denn es gibt einige wenige Dinge auf der Welt, von denen es heißt: Du sollst dir kein Bildnis machen.

Zum Beispiel von schwabbeligen Mittfünfzigern, die ohne T-Shirt durch die Wälder an den Bärenseen joggen.

So einer ist mir am Sonntagmorgen ganz unvermittelt begegnet. Die Sonne schien, die Vögel zwitscherten, die Rehe sprangen fröhlich über die Wiesen – als sich der Himmel plötzlich verdunkelte und sich Stille über die Szenerie senkte. Dann kam ER über die Hügelkuppe getrabt: Sonnenbrille, kurze graue Haare, Khahi-Shorts, OBEN OHNE. Sanft schwenkte sein Bauch bei jeden Schritt von rechts nach links, von links nach rechts, etc.

Spontan stürzten mehrere 300-jährige Eichen um, Herzattacken rafften die Rehe hinweg, die Vöglein fielen wie Steine vom Himmel, nur die Sonne legte eine bemerkenswerte Contenance an den Tag. Ich selbst rettete mich mit einem Sprung in den Straßengraben vor dem Schlimmsten.

Mal im Ernst, Leute: Joggt in euren Muscle-Shirts von Prada, lauft in Biberpelzen, Taucheranzügen oder Hasenkostümen durch den Wald. Wegen mir könnt ihr sogar diese abartigen Läufertangas tragen, die die Profis gerne anziehen, auch wenn’s mir schon beim Zuschauen im Schritt schmerzt.

Egal, ob ihr ausseht, wie Günther Strack oder wie Markus Schenkenberg, wie Hella von Sinnen oder wie Kate Beckinsale: zieht euch bitte, bitte was drüber.