02. Juli 2010, in: Sportive Manöver

Mäusehelden

von Tobias Köhler

Wenn ich an den Bärenseen laufen gehe, pople ich mir die Ohrstöpsel meines MP3-Player in die Gehörgänge und flute mein Hirn mit Musik. Dann verabschiede ich mich von der Realität und lasse meinen Gedanken schweifen. Meistens endet das in wilden Allmachtsphantasien.

Im Rhythmus meiner Schritte stelle ich mir dann vor,

  • dass ich beim Laufen alle anderen überhole, weit hinter mir lasse und auf den Weltrekord zusteuere.
  • dass ich im Büro dem Kollegen endlich mal ins Gesicht sage, dass er mich unfassbar nervt.
  • dass ich in der Konferenz eine bejubelte Rede zum Thema “So verdienen wir richtig viel Geld im Internet” halte.
  • dass ich bei Bejeweled mehr als 500.000 Punkte sammle, das Ergebnis bei Facebook poste und dafür 2000 “Gefällt mir”s kriege.
  • dass ich den Literaturnobelpreis für meine Postings bei Brezel.me bekomme.
  • dass ich es den Brezel.me-Tower in der City wirklich gibt und ich das Büro im obersten, 299. Stockwerk bewohne.
  • dass ich – in einem engen blauen Kostüm (mit einem roten “S” vornedrauf), das jeden meiner unfassbar gut modellierten Muskeln perfekt zur Geltung bringt – die Welt von allem Bösen befreie, speziell von Lex Luthor, Kim Jong-il und Darth Vader.

Das ist dann der Moment, in dem rechts aus dem Gebüsch eine winzig kleine Maus hervorspringt.

Immer.

Aufgrund irgendwelcher Witterungsgeschichten gibt es dieses Jahr nämlich hunderttausende kleiner Mäuse an den Bärenseen, die völlig unvermittelt aus dem Gebüsch springen und einem vor der Nase über den Weg laufen. Und irgendwie kommen sie immer von rechts.

Jedes Mal, wenn so ein Vieh auftaucht, erschrecke ich mich zu Tode, mache eine kleinen Sprung über das Mäusle drüber, stolpere dabei fast über meine eigenen Beine.

Und finde mich in der Realität wieder.

Tags: , ,

4 Antworten zu “Mäusehelden”

  1. bine sagt:

    Das mit den Mäusen kann ich uneingeschränkt bestätigen. Zwar nicht am Bärensee, weil ich da so gut wie nie drumrum renne, aber neulich am Deutschland:England-Tag, vormittags, als ich im Innenhof des LBBW-Areals hinter dem Hauptbahnhof war.

    Kein Schwein unterwegs, auch kein Mensch – eben nur wir zwei, meine Tochter und ich – aber ‘ne Maus war da. Erst hat man sie gar nicht gesehen, sondern nur das spurenweise Gewackele der extensiven Bodenbegrünung wahrgenommen.

    Und auf einmal rast sie von rechts, wie die Mäuse am Bärensee eben auch, nach links in die nächste Bodendeckerfläche, um sich dann mucksmäuschenstill vor weiterer Beobachtung zu verstecken…

  2. Klaus sagt:

    …wenn se von links kommen, wirds kritisch. Dann sinds Wasserratten :-) )

  3. Lieber Herr Köhler, das Büro im 299. Stock kannst du gerne haben, ich lieg eh auf der Dachterrasse und lass mich von den Praktikanten verhätscheln.

  4. Chris sagt:

    laufe doch anders rum dann kommen die Mäuse nicht mehr von rechts :o ) mache ich auch so.