18. Februar 2010, in: Der StZ-Lauf

Noch 21 km: Ein Herz für Läufer

von Martin Elbert

(Bei so einem Spruch nimmt man die Beine in die Hand und ist noch schneller daheim.)

Der Winter kann auch schön sein. Zwar stehe ich im Punkt Schnee-Weggedisse total hinter den Kollegen, die es ja hier die Tage ordentlich haben krachen lassen, aber das hängt hauptsächlich daran, dass man als Läufer im Winter bzw. im Schnee nicht richtig in den Tritt kommt, wie schon mal erzählt.

Trotzdem hat ein Winterlauf hat auch seine romantischen, vorzüglichen Seiten. So ein Run auf einem frischen Schneebett, wie es z.B. vergangenes Wochenende im Schlossgarten/Rosensteinpark geboten war, zählt trotz Kälte, rotzender Nase und frierender Wutz zu den Lauf-Highlights im Jahr. Auch schön ein Lauf durch einen verschneiten Wald. Unter dem Strich gilt aber, dass es diese Highlights nicht öfters als zwei, dreimal im Jahr geben muss.

Vergangenen Sonntag also kam es zu so einem Highlight-Lauf. Langsam bewegte man sich fort, man will ja nicht stürzen, rannte am Landtag vorbei durch alle drei Schlosspark-Teile und bog dann in den Rosensteinpark ein.

Dort war es ganz besonders cosy, wie moderne Stuttgarter Agenturen gerne sagen (haben sie in internationalen Lifestyle-Magazinen gelesen), auch ganz ohne Kaminfeuer und Flauschidecke.

Bei der ersten Runde bin ich an einen recht großen Herrn rangejoggt und im Winter gilt ganz klar: Läufer solidarisiert euch, redet miteinander! Also angequatscht: “Na, läufts?” (Brauche definitiv eine bessere Begrüssung.)

Ja muss meinte er. Muss immer! Egal ob Wind, Regen, Schnee, man muss einfach! Löbliche Einstellung. Bei dem Herrn handelte sich um einen Südafrikaner, der wegen eines Jobs bei einem bekannten IT-Unternehmen nach Stuttgart gezogen ist.

Momentan bereitet er sich für einen Crossmarathon in Thüringen vor. Irgendwann im Mai. Für den StZ-Lauf habe er sich auch schon angemeldet, meinte er, nachdem ich gleich brav Promo dafür gemacht habe, wie es eben die Brezel-Satzung vorschreibt.

Nachdem wir uns nach circa zwei gemeinsamen Kilometern verabschiedet haben, dachte ich mir, Mensch, laufen ist einfach Weltsprache, verbindet Völker und geht überall gleich. Fast wie Fußball. Zur WM geht mein neuer Lauffreund übrigens nicht in die Heimat, zu stressig meinte er. Dafür fliegt er jetzt demnächst fünf Wochen lang nach Südafrika, trainieren, “in the hills”, klaro. Ist ja auch wichtiger als Fubes.

Auf meinem Rückweg kam es dann auf der Höhe des Staatstheaters und im wilden Schneetreiben zu einer Begegnung der dritten Art. Ich steppte direkt auf eine einsam und verlassen stehende Dame hinzu. Die hatte mich ebenfalls schon strengstens im Visier, rief mir ein “Happy Valentin” entgegen und drückte mir obiges Herz samt angeheftetem Bonbonle in die Hand.

“Ähhhh…” joggend stand ich aufm Schlauch und war ziemlich überfordert und meinte nur, “ja ebenfalls” und dachte dabei eigentlich oh mein Gott, was willn die jetzt hier von mir. Kurze Inspektion des Herzchens und schon war alles klar. Die wusste einfach, dass ich der Religionsbeauftragte dieses Blogs bin.

Mit zwei Johannes in der Dasch´ (Brüller, hä?) joggte ich also nach Hause und konnte so noch prompt meiner nicht getauften Freundin ein passendes Valentinsgeschenk überreichen. Hat sich voll gefreut. Und ich dachte mir, Mann, haste heute aber noch viel erlebt an so einem Sonntag. Laufen machts halt möglich.

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3 Antworten zu “Noch 21 km: Ein Herz für Läufer”

  1. Volker sagt:

    Schöner Text. Schlossgarten im Winter ist super. Das joggen im Schnee vermisse ich (ich muß zugeben, meine Laufschuhe stehen seit September im Schrank und langweilen sich ziemlich).

  2. freundin sagt:

    hab mich sowas von gefreut, leider hats der martin mir wieder weggenommen, um es im büro für diesen eintrag zu fotografieren :(
    jetzt wirds halt nix mehr mit dem glaube

  3. Klaus sagt:

    Da wurde wohl zu langsam gejoggt…das einem da unterwegs Religionswerbung verabreicht wird… ;-)