Habe das Telefon auf Lautsprecher gestellt. Eine Minute lang düdelt irgendeine Porno-Hintergrundmusik, dann sagt eine sehr nette Frau: “Im Moment haben wir sehr viele Kundenanfragen. Wir bitten Sie deshalb um etwas Geduld.Wir verbinden Sie mit dem nächsten freien Kundenberater.”
Leider nimmt noch immer niemand bei meiner Kfz-Versicherung ab. Da habe ich ja noch ein bisschen Zeit, weiter zu erzählen.
Nach der traumatisierenden Erfahrung von gestern Abend habe ich mein Auto heute Morgen zu Hause stehen lassen. Und mich entschlossen, zum ersten Mal seit gefühlten 40 Jahren öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen.
Natürlich musste mir erst einmal mein Zivi erklären, wie die Sache mit dem Fahrkartenautomaten funktioniert. Nach ein paarmal üben hat das aber ganz gut geklappt, so dass ich im fünften Versuch tatsächlich geschafft habe, ein Ticket ins Pressehaus zu lösen.
Als ich dann eingestiegen bin, war ich wirklich schockiert. Riechen S-Bahnen eigentlich immer wie riesige, feuchte, zu lange getragene Wandersocken?
In Vaihingen bin ich dann in die Stadtbahn umgestiegen. Da müffelte es zwar nicht mehr, dafür stand das Wasser praktisch knöchelhoch. Und bei jedem Mal anfahren schwappte die ganze Suppe nach hinten – um beim Bremsen wieder nach vorne zu rauschen. Die anderen Menschen schien das gar nicht zu stören. Offenbar regelmäßige ÖPNV-User und schon völlig abgestumpft.
Das war also eine irrsinnig spannende Reise – bleiben nur zwei Fragen: Warum geht der nächste Kundenberater immer noch nicht ans Telefon? Und wie komme ich heute Abend heim, wenn mein Zivi mir nicht hilft, zur Haltestelle zurückzufinden?



Beiträge
Ja, die SSB: Jetzt auch mit Sauna und Hallenbad… Ekelhaft die ganze Brühe.
Öffentlicher Nahverkehr, du Abenteurer, pass mir bloß bei der Heimfahrt auf! Vl. triffst du ja Joe Bauer beim Straba fahren oder es geschieht noch etwas Verrückteres?
Ja, ja, der winterliche Einmalnutzer… immer wieder lustig, wie er uns Dauerkunden auf die Nerven geht und den ÖPNV zusammenbrechen lässt. Das ganze Jahr über bringen Bus und Bahn den leidlich zufriedenen Vielfahrer recht zuverlässig und komfortabel zur Arbeit, zur Schule, zur Uni. Und dann ist da dieser eine Tag im Winter, dieser eine Tag, an dem Eisschollen auf den Straßen und meterhohe Schneeverwehungen auf der Carport-Zufahrt des Reihenhäuschens auf der grünen Wiese das Autofahren selbst für den härtest Gesottenen unmöglich machen. Und dann denkt sich dieser Härtestgesottene: “Jetzt probier ich doch mal aus, wie das denn so ist, mit dem ÖPNV.” Leider denkt er das an diesem einen Tag im Winter nicht allein, sonst gäb es nämlich auch kein Problem in Bus und Bahn… wir Dauerkunden führen wie immer, leidlich zufrieden, recht zuverlässig und komfortabel…
Ich habe weder einen Carport, noch ein Reihenhäuschen, noch eine grüne Wiese. Alles andere ist natürlich korrekt.
Nehme Carport, Reihenhäuschen und grüne Wiese zurück und arbeite an meinen Vorurteilen.
Im depressed…
Have a nice day
Nicolas