
70 Millionen Menschen spielen Farmville, knapp 30 Millionen Mafia Wars und ein paar Milliarden nehmen an lustigen Facebook-Umfragen zum Thema “Was ist deine Lieblingsstadt?”, “Welche Pickelcreme passt zu dir?” oder “Welche Rolle in “Bambi” solltest du spielen?” teil. Und dann verschicken sie Einladungen und wollen, dass ich auch mitmache. Will ich aber nicht. In aller Kürze: Nein, ich möchte keiner digitalen Kuschelkolchose beitreten. Ich möchte mich auch nicht bei den Schwaben-Corleones aus Waldorfhäslach zum Paten hochdienen. Und mein Lieblingsdings ist ebenso wie mein Lieblingsbums meine Privatsache, allerspätestens seit ich mit Verlassen der Grundschule nicht mehr in Freundschafts- und Poesiealben schreiben muss.
Aber eines kann man Facebook gar nicht hoch genug anrechnen: Die flächendeckende Einführung der “Verbergen”- und “Ignorieren”-Buttons. Es gibt nichts und niemanden, den man nicht ignorieren kann. Besonders Farmville-, Mafia-Wars- und Umfrageeinladungen.
Während ich gerade an diesen Zeilen schreibe, lädt mich ein Ex-Kollege zu “Whack – die größte Facebook-Kissenschlacht aller Zeiten” ein, indem er mir ein virtuelles Weihnachtsbaum-Kissen (???) in die Visage wirft. Gleich viermal. Ich bin versucht, eine Beton-Bettdecke zurück zu schicken. Aber ich atme zweimal durch – und drücke auf “Ignorieren”.
So ein “Schick ihn zum Teufel”-Button ist schon ein feine Sache. Wäre herrlich, man hätte ihn immer in Reichweite. Auch im richtigen Leben. Wenn mal wieder im Januar die Rechnung für die Kfz-Versicherung kommt – IGNORIEREN. Wenn mal wieder das “Kehrwoche”-Schild an der Wohnungstüre hängt – IGNORIEREN. Wenn mir mal wieder der Typ am Kiosk ein Gespräch über den VfB reinwürgen will – IGNORIEREN. Wenn mal wieder der Parkplatz im Stuttgarter Westen zu eng für die Familienkutsche ist – IGNORIEREN. Wenn mal wieder die Kinder morgens um halb sechs an der Schlafzimmertüre stehen und “Adventskalender aufmachen!” brüllen – IGNORIEREN. Wenn mal wieder der Computer mit dem fast fertigen, ungesicherten Text abstürzt – IGNORIEREN. Wenn mal wieder die Server des Content-Management-Systems nur einen Text pro Viertelstunde speichern wollen – IGNORIEREN. Wenn… Naja, ihr habt’s verstanden.
Deshalb: Danke Facebook für eine wirklich großartige Erfindung!
Tags: Facebook, Muh und Mäh


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